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Glücklicher Thomas – erfolgreicher Thomas

19. April 2011

Schöneberger Nächte sind lang – aber dann, aber dann… – Turnierbericht Berliner Frühling

In den eigenen Geburtstag reinfeiern, aus dem eigenen Geburtstag bis in den frühen Morgen hinausfeiern, nach wenigen Stunden Schlaf ein mehr als zehnstündiges Backgammonturnier spielen, dort in die Preisränge kommen und sich dann am nächsten Tag noch zutrauen, ein weiteres Backgammonturnier zu spielen – vielleicht muss man dazu die Jugend und den Leichtsinn eines jungen Mannes besitzen. Und wer gerade 30 Jahre geworden ist, ist, wenn man sich die Teilnehmer unserer Turniere ansieht, unbedingt noch jung in der Backgammonszene. Thomas Koch jedenfalls stellte sich dieser Herausforderung nach drei kurzen Nächten hintereinander im Café Belmont, und mit ihm vierzehn weitere Spieler.
Und er war beileibe nicht der Einzige, der am Tag zuvor schon die Berliner Meisterschaft bestritten hatte: Fünfzehn Teilnehmer hatten sich zum ersten Berliner Frühling eingefunden, zwölf Teilnehmer des ersten Jahreszeitenturniers von Berlin Backgammon hatten am Samstag schon gespielt, waren damit natürlich in Schwung – aber vielleicht auch schon etwas ausgelaugt. Auch Matthias Strumpf, der am Abend vorher bis ganz zum Ende geblieben war, so lange bis er gegen drei Uhr nachts das entscheidende Rennen gegen die Uhr und gegen Christian Plenz und damit das Aprilturnier der Berliner Meisterschaft gewonnen hatte, war pünktlich erschienen. An dieser Stelle schon mal großen Respekt für all die Spieler, die sich das Doppelprogramm zweier Turniere an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zugetraut und zugemutet hatten.

Gespielt wurde anders als sonst in Berlin üblich ein Main Bracket mit progressiver Consolation im KO-System. Dafür konnten die Matches etwas länger dauern – 9 Punkte in den ersten Runden, 11 Punkte im Finale. Gleich in der ersten Runde dauerte ein Match zweieinhalb Stunden – trotz knapp bemessenen 12 Sekunden pro Zug, trotz einer einzigen Kurzpause!

Thomas Koch startete in der oberen Tableauhälfte nach kurzem Warmwürfeln wie die Feuerwehr und schickte Helmut Krausser nach einem 1:6 Rückstand mit 9:7 in die Consolation. Eine Geschichte wie aus einem Film mit Happy End und allem Drum und Dran schien Gestalt anzunehmen – doch Ralf Sudbrak hatte etwas dagegen.
Ralf hatte wie Thomas und vier weitere Teilnehmer eines der Satellitenturniere für den Berliner Frühling gewonnen – das vorletzte, nachdem er zuvor mehrmals versucht hatte, sich zu qualifizieren, aber bis dahin immer sein Auftaktmatch verloren hatte. Dies war ihm im Berliner Frühling erspart geblieben, denn im Auftaktmatch hieß der Gegner Freilos. Aber auch anschließend hatte er anscheinend keine Lust, wieder das erste Match zu verlieren. Und das tat er auch nicht.

Die Satellitenturniere können wir ganz unabhängig vom Hauptturnier auch als Erfolg verbuchen: Acht Satelliten haben stattgefunden, einer online, die meisten im Café Graffiti, und insgesamt haben sich eine Menge Spieler beteiligt und acht davon qualifiziert. Sechs davon haben schließlich auch am Berliner Frühling teilgenommen. Neben Thomas und Ralf waren das Dankwart Plattner, Tim Schuettler, Igor Bakunowizki und Peer Röwer.

Igor Kaplanski, ohne Glück in den Satelliten und daher Normalzahler, witzelte, er habe so manchem Teilnehmer den Startplatz finanziert. Igor, der Berliner Frühling sagt danke und wird sich durch viel Sonne revanchieren!

Jagd auf Mister X.

Nachdem keiner der Teilnehmer so recht Sidepool spielen wollte, hatte die Turnierleitung kurzfristig eine Kalkutta-Auktion anberaumt. Hierbei konnte jeder Teilnehmer des Turniers ersteigert werden und der Glückliche, der den späteren Turniersieger ersteigerte, würde 75 % des Preistopfs gewinnen. Als zusätzliches Bonbon wurde zu Beginn „Mister X“ versteigert, den sich der Gewinner dann frei aussuchen durfte: Highest bidder’s choice. Bei der Auktion fielen hohe Gebote auf Thomas Zimmer, Matthias Strumpf und Stefan Blancke, womit einige Turnierfavoriten genannt wären. Aber als Mister X entpuppte sich Peer Röwer, der damit offiziell in den Rang des Turnier-Topfavoriten gerückt war. Von den vier Spielern mit hohen Geboten in der Kalkutta-Auktion war er zudem der einzige in der oberen Tableauhälfte.

Aber wie das mit Topfavoriten eben ist – wie im Brettspiel „Scotland Yard“ sind die anderen Spieler natürlich hochmotiviert, Mister X zur Strecke zu bringen. Und so kam es, wie es vielleicht kommen musste – denn Backgammon hat ja bekanntlich auch mit Glück zu tun – Peer gelang es, nach einem Sieg gegen Klaus Klein anschließend gegen Igor Bakunowizki keine einzige Partie zu gewinnen und mit 0:9 unterzugehen.

Consolation – Thomas I.?

In die Consolation verabschiedeten sich aus der oberen Hälfte neben Thomas und Peer auch Helmut, Klaus und Igor Kaplanski, der der Reihe unglücklicher Spiele, die bei den Satellites begonnen hatte, ein weiteres hinzufügte – und auch in der Consolation schied er ohne Sieg aus.
Peer Röwer konnte nach seiner Niederlage gegen Igor B. das Turnier nicht mehr gewinnen, aber er schaffte es immerhin, Dirk Janssen niederzuhalten.

In der stärker eingeschätzten unteren Hälfte war Stefan Blancke auch am Sonntag nicht gerade vom Glück verfolgt, nachdem er schon am Samstag wenig erfolgreich gewesen war. Gleich im allerersten Spiel der Hauptrunde musste er gegen Matthias Strumpf ran – eine Auseinandersetzung, die man sich durchaus auch im Finale hätte vorstellen können. Stefan verlor, und nach einem Sieg in der Consolation gegen Dankwart versetzte ihm ausgerechnet Thomas Koch in der Consolation den endgültigen KO, indem er in einer Partie, die schon verloren schien und die Stefan auf ‚too good‘ weiterspielte, zunächst einen Pasch-2 würfelte, den einzigen Wurf, der ihn im Match hielt, anschließend in einer volatilen Position doppelte, traf und die Partie gammon gewann, anstatt sie ordnungsgemäß gammon zu verlieren, wie es die Wahrscheinlichkeit vorausgesagt hatte. Manchmal ist Backgammon zum Lachen oder zum Weinen – je nachdem, aus welcher Perspektive man es betrachtet.

Stefan Blancke und Dirk Jansen, waren aus Lüneburg und Hamburg angereist. Sie gaben unserem Turnier wenn nicht internationales Flair, so doch immerhin einen überregionalen Touch. Umso bedauerlicher, dass beide früh in der Consolation landeten, wo sie nach einem Sieg ausschieden. Wir hoffen, dass beide trotz ihres Pechs an diesem Wochenende wiederkommen!

Ein ähnliches Schicksal widerfuhr auch Matthias Strumpf und Vitali Olchanski, die alle ihr erstes Match in der Consolation verloren und damit ausgeschieden waren. Außerdem Dankwart Plattner, der gleich in der ersten Runde von Thomas Zimmer in die Consolation geschickt worden war und dort mit Stefan Blancke gegen einen zweiten Mitfavoriten ranmusste. Immerhin: Wie sich zeigte, hatte er den richtigen Riecher für den Turnierverlauf und zu Beginn den späteren Turniersieger ersteigert.

Dummerweise traf Peer nach seinem Sieg gegen Dirk auf Thomas Koch, und dieser hatte an diesem Turnierwochenende nach seinem 30. Geburtstag eine kleine Glücksstähne : Das bedeutete auch für Peer das Aus – Thomas stand in seinem zweiten Finale und blies lässig über den rauchenden Colt. Da war es kein Wunder, dass Klaus Klein, der sein Finalgegner war nach Siegen gegen Tim und Helmut, einwilligte, das Preisgeld für den Sieger der Consolation fast ganz zu teilen und nur einen kleinen Betrag auszuspielen. Aber oh Wunder: Auch die wunderlichsten und schönsten Märchen gehen einmal zu Ende und die vielversprechendsten Strähnen reißen: Thomas gelang es nicht, zum zweiten Mal in Folge die Trostrunde zu gewinnen – Klaus gewann die Consolation des Berliner Frühlings. Herzlichen Glückwunsch, Klaus!

Hauptrunde: Thomas II.!

Während von den vier Spielern mit hohen Geboten in der Kalkutta-Auktion Peer in der oberen Tableauhälfte allein gewesen war, drängelten sich in der unteren die anderen: Thomas Zimmer, Matthias Strumpf, Stefan Blancke. Aber nicht alle konnten reüssieren, und wie es so geht, wenn sich die Favoriten drängeln: Womöglich treffen sie früh aufeinander. Das geht im Backgammon bekanntlich meist nur für einen von beiden gut aus: Als es in der Hauptrunde um die Wurst ging, suchte man daher einige Favoriten vergeblich:

Von Stefan Blancke und Peer Röwer war schon die Rede. Statt seiner konnten sich in der oberen Hälfte Spieler wie Ralf Sudbrak und Igor Bakunowizki in den Vordergrund spielen.
Matthias Strumpf wiederum hatte vielleicht am Vortag zu viel Kraft gelassen; er konnte zwar Stefan Blancke besiegen, aber dann traf er auf Thomas Zimmer. Und hier setzt sich die Geschichte von Thomas weiter fort – nicht umsonst ist die Bedeutung des Namens „Thomas“ Zwilling. Und in der Berliner Backgammonlegende Thomas Zimmer hatte Thomas Koch einen würdigen Zwilling und Nachfolger für die Erfolgsgeschichte gefunden, die an diesem Wochenende um Spieler mit dem Namen Thomas herum erzählt wurde. Thomas (Zimmer) besiegte zunächst den starken Dankwart Plattner im Double Match Point eines Zweieinhalbstunden-Marathons. Nach dem Sieg gegen den mehrmaligen Berliner Meister und Turniersieger des Vortags Matthias Strumpf stand Thomas bereits im Halbfinale und dort setzte er sich auch gegen Gerhard Zerbin durch, der zuvor Vitali Olchanski und Tim Schuettler in die Consolation geschickt hatte.

Weil im anderen Halbfinale Igor Bakunowizki gegen Ralf Sudbrak verloren hatte, spielten Igor und Gerhard um den dritten Platz, wo Igor seine Erfolgssträhne nach kurzer Unterbrechung wieder aufnehmen konnte – herzlichen Glückwunsch zu Platz 3!

Im Finale standen sich nun Ralf Sudbrak und Thomas Zimmer gegenüber. Wie immer hatte Ralf keine Angst vor großen Namen, ging gleich voll zur Sache und 5:0 in Führung. Dann aber schüttelte sich der Favorit und holte dank seines konstanten und guten Spiels auf – am Ende hatte Thomas Zimmer in 9 von 12 Partien ein „Performance Rating“ (wie der vergleichbare Wert der Error Rate bei „Extreme Gammon“ heißt) von 5 oder besser gespielt. So drehte Thomas das Match und ging seinerseits 7:5 in Führung. Ralf steigerte sich aber ebensfalls deutlich – in der zweiten Hälfte des Matches gab es keine Partie mehr bei ihm unter dem Wert, den die Software Extreme Gammon als „World Class“ bezeichet.
Dank seiner Steigerung und seines Kampfgeists konnte Ralf in diesem Elfpunktmatch von 5:8 und 7:10 auf 10:10 aufholen – wie am Tag zuvor musste die allerletzte Partie über den Turniersieger entscheiden – Double Match Point! Hier traf Ralf in einer offenen Haltestellung zunächst einen indirekten Schuss:

und nachdem Thomas anschließend tanzte, hatte Ralf seine Siegchancen von 50% auf knapp 75% erhöht. Danach war er zeitweise ca. 85%iger Favorit und bis ins Bearoff standen die Chancen 3:1, dass der Sieger des Berliner Frühlings Ralf Sudbrak heißen würde. Dann aber, als Ralf einem sicheren Sieg im Bearoff entgegen zu würfeln schien, konterte Thomas, als habe ihm das Schicksal die Hand geführt – Pasch 6!

Dies ließ sich Thomas nicht mehr nehmen, es folgte ein Pasch 4, und Ralf und die Turnierveranstalter konnten Thomas Zimmer zum ersten Turniersieg, der bei den „Berliner Jahreszeiten“ zu vergeben war, beglückwünschen – nach einigen turbulenten Wendungen und am Ende überraschend, aber auf jeden Fall verdient: Ralf hatte eine solide einstellige Error Rate gespielt, die aller Ehren wert ist, aber Thomas brachte nach zehn Stunden in einem langen Match – es ging über 12 Partien – eine 4,8 (Extreme Gammon Performance Rating) aufs Brett, und neben dem Turniersieg gebührt Thomas Zimmer auch dafür ein herzlicher Glückwunsch!

Die erste Ausgabe der Berliner Jahreszeiten mit dem „Berliner Frühling“ war aus unserer Sicht ein guter Anfang, von den Satelliten, die Leben in die Berliner Backgammonszene brachten, bis hin zum Turnier selbst, das für eine starke Resonanz unter den Berliner Spielern gesorgt und auch auswärtige Spieler angezogen hat. Dass einen Tag nach der Berliner Meisterschaft zwölf Spieler sich ein zweites Turnier zutrauen, hat uns sehr gefreut. Einer Wiederholung steht also nichts im Wege. Die berühmte Schwalbe, die allein noch keinen Sommer verkündet, zwitschert im Berliner Frühling die Botschaft vom Berliner Herbst: Wir freuen uns auf die nächste Ausgabe der Berliner Jahreszeiten im September!

Herzliche Grüße,
Daniel und Dankwart

Main
1. Thomas Zimmer
2. Ralf Sudbrak
3. Igor Bakunowizki

Consolation:
1. Klaus Klein

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