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Glückstag für Thomas Koch, Matthias Strumpf und Christian Plenz

19. April 2011

Bericht Berliner Meisterschaft April 2011

Bei schönstem Frühlingswetter erlebten die Teilnehmer des Berliner Ranglistenturniers einen spannenden Wettbewerb mit glücklichen und weniger glücklichen Momenten, knappen Niederlagen und wundersamen Siegen, Glücksmolchen und Seuchenvögeln, und am Ende einen Spieler, der gleichsam seinen eigenen Geburtstag verlängerte, einen Turniersieger, der eine längere Misserfolgsserie beenden konnte und einen unglücklichen Finalverlierer, der dafür drauf und dran ist, in der Jahreswertung davon zu ziehen…

Glück und Glas, wie leicht bricht das!

Ist Backgammon ein Glücksspiel? Fast alle Backgammonspieler werden diese Frage aus eigener leid- oder freudvoller Erfahrung mit „ja!“ beantworten, und jeder Teilnehmer, des April-Turniers der Berliner Meisterschaft im Backgammon wird seine eigene Geschichte dazu erzählen können – davon, wie er aus einem 1:6 noch ein 7:6 machte oder ein fast schon gewonnenes Match noch verlieren konnte. Solche Bad-Luck-Geschichten stehen bei jedem Turnier im Mittelpunkt der Gespräche abseits der Matches, Positionen werden hastig notiert oder fotografiert und später in den Computer eingegeben, überlegt, ob man selbst einen Fehler gemacht hat, lieber aber, oder der Gegner etwas falsch gemacht hat, beispielsweise die Verdopplung hätte gar nicht annehmen dürfen, bevor er dann das Spiel drehte. So war es auch diesmal.

Die Wankelmütigkeit des Glücks führt dazu, dass etwa Jan Jacobowitz, der noch im Februar souverän das erste Ranglistenturnier gewonnen hatte, erneut das Viertelfinale verpasst, genau wie Klaus Klein, sein Finalgegner vom Saisonauftakt. Das gleiche Schicksal ereilt Mitfavorit Stefan Blancke, der aus Lüneburg angereist ist, Mitveranstalter Dankwart Plattner, der noch im März das Halbfinale erreicht hatte, oder auch Gerhard Zerbin, der im letzten Jahr noch weit vorn in der Jahreswertung gewesen war, in der aktuellen Saison jedoch noch nicht die Finalrunde erreicht hat.

Kleine Dramen spielen sich wie so oft zum Ende der Vorrunde um Platz 8 herum ab, der gerade noch das Weiterkommen in die Finalrunde bedeutet und die Hoffnung auf den Turniersieg aufrecht erhält: Julian Becker, Vitali Olchanski und Christian Plenz auf den Plätzen 5 bis 7 haben drei Siege, aber nur ein Sieg bringt sie sicher ins Viertelfinale.
Dahinter lauern Tim Schuettler auf Platz 8 und Helmut Krausser auf Platz 9. Beide haben zwei Siege und eine ordentliche und identische Buchholzwertung. Mindestens einer wird es wohl schaffen. Wer?
Oder wird noch jemand ganz anders, von einem der hinteren Plätze an den Kontrahenten vorbei in die Finalrunde aufsteigen?
Eine unübersichtliche Situation, wer weiterkommt, hängt von einer Menge von Ergebnissen ab…

Christian gewinnt sein Match gegen den führenden Ralf Sudbrak und ist damit ebenso sicher in der Finalrunde wie Julian, der Mejer Breslav besiegt und dem bisherigen Ranglistenzweiten damit die Tür zur Finalrunde zuschlägt. Doch Vitali verliert gegen Igor Kaplanski. Jetzt bleiben noch Helmut und Tim. Beide gewinnen ihre Matches, beide erringen weitere Buchholzpunkte und verhindern, dass sich noch andere Spieler aus dem Hinterfeld ins Viertelfinale spielen. Aber Helmuts Gegner, Thomas Koch, hat in Runde 4 einen Buchholzpunkt mehr als Tims Gegener, der Rookie Hafid Amrouche. Damit qualifiziert sich Helmut für das Viertelfinale und zum Leidtragenden wird Tim, der bis zur vierten Runde immer unter den besten acht stand und das Viertelfinale am Ende doch verpasst – um einen einzigen Buchholzpunkt… Zum glücklichen Nutznießer wird Vitali: Er verliert zwar, aber ihm sind in der letzten Runde besonders viele Buchholzpunkte zugeflossen. Da hat er das Glas kräftig zu Boden geworfen – und doch ist es nicht zerbrochen! Und Tim hat das Nachsehen…

Herzlichen Glückwunsch nachträglich!

Tim muss wie all die Enttäuschten, die die Finalrunde um den Turniersieg am Ende knapp verpassen, mit der zweiten Chance in der Second Chance vorlieb nehmen – aber auch diese zweite Chance können sie nicht nutzen, das Glück ist an diesem Tag nicht mit ihnen.
In der Second Chance finden sich auch Stefan Holz aus Weimar und Sokrates Bukalis wieder, die sich aber am Ende den neu geschaffenen Rookies Prize für Spieler mit wenig Turniererfahrung teilen können. Herzlichen Glückwunsch!
Richtig in Szene setzen können sich in der Second Chance aber andere Spieler, die sich scheinbar in der Vorrunde geschont haben – im Finale stehen sich Tilman Söhnchen, der sich zu einem Spezialisten für die Second Chance zu entwickeln scheint, und Thomas Koch gegenüber: Thomas hat einen kleinen Feiermarathon hinter sich, am Tag zuvor hatte er Geburtstag und war erst am frühen Morgen ins Bett gekommen. Doch er hat sich offenbar für das Turnierwochenende eine Menge vorgenommen. In der Vorrunde muss er sich noch mit Achtungserfolgen gegen Stefan Blancke und Dankwart Plattner zufrieden geben, aber dann lässt er sich weder von Rookie Stefan Holz noch von Spitzenspieler Jan Jacobowitz aufhalten. Und im Finale der Second Chance muss auch Tilman anerkennen, dass Thomas gewillt ist, mit 30 Jahren die Ernte seines Trainings und seiner eigenen Texte zum effizienten Lernen (die unter http://graswurzel-backgammon.org/ zu finden sind) einzufahren – der Feiermarathon geht weiter, und der Sieg in der Second Chance sollte nicht sein einziger Erfolg an diesem Turnierwochenende bleiben. Herzlichen Glückwunsch!

Matthias Strumpf hat endlich wieder Glück!

In der Finalrunde setzen sich in fast allen Spielen die Spieler durch, die nach der Vorrunde besser platziert waren: Nach dem Viertelfinale müssen Helmut Krausser, Julian Becker und auch Hamid Akbari die (Backgammon)Koffer packen (Hamid packt ihn später wieder aus und spielt noch eine kurzweilige Chouette), dennoch Kompliment für das Erreichen der Finalrunde in einem starken Feld! Die Ausnahme bildet Vitali Olchanski, dessen schnelles Spiel legendär ist und ihm schon den Spitznamen „Lucky Luke“ einbebracht hat. Er schaltet zunächst den Vorrundenersten Igor Kaplanski aus, und nach der Halbfinalniederlage gegen Matthias Strumpf setzt er sich im Spiel um Platz 3 auch etwas überraschend gegen Ralf Sudbrak durch. Dennoch großes Kompliment an Ralf für sein erneut überzeugendes Turnierergebnis, und auch bei Ralf sollte der vierte Platz nicht sein einziges Erfolgserlebnis an diesem Turnierwochenende bleiben. Der dritte Platz aber geht an Vitali – herzlichen Glückwunsch!

Der Spannungshöhepunkt bleibt für das Match zweier Topfavoriten im Finale: Christian Plenz und Matthias Strumpf spazieren souverän durch die Vorrunde und lassen sich auch anschließend nicht aufhalten – Backgammon ist eben doch nicht wirklich ein Glücksspiel.
Matthias geht 2:0 in Führung, muss dann aber immer einem Rückstand hinterher laufen (2:4, 4:7). Doch er holt auch immer wieder auf. Bei 7:7 geht es ins entscheidende Spiel: Auch hier ist Matthias von Anfang an in der Defensive: Christian Plenz macht Druck wie das ganze Match über. Aber Matthias springt dem Teufel immer wieder von der Schippe, kann ein mittelmäßiges Backgame aufbauen und sein Timing mit Ach und Krach und Müh und Not halten.

Als Christian schon 7 Steine ausgespielt hat und nur noch einen gelungenen Wurf vom Turniersieg entfernt ist, muss er doch noch einen Schuss lassen und Matthias trifft! Er schafft es tatsächlich, den geschlagenen Checker so lange gefangen zu halten, bis er selbst genug Steine ausgespielt hat, um Favorit im Endspurt zu sein.
Die zweite Hälfte dieser letzten Partie und das finale Rennen um den Sieg findet unter extremer Zeitnot beider Spieler statt – im Sekundentakt wird gezogen, manchmal erinnert das Spiel mehr an Tischtennis als an Backgammon, und Protokollant und Berichterstatter Daniel Kotrc geht schließlich angesichts des Spieltempos in die Knie. Als am Ende Christian klein beigeben muss, ist auch seine Zeit abgelaufen. Aber weder die Spieler, noch die Zuschauer, noch die Turnierleitung haben die Zeitüberschreitung mitbekommen – sozusagen „Zeitüberschreitung durch Shakehands “ wie es der Unterlegene anschließend nennt. Ein würdiges Finale in einem Rennen, das bis zum Ende spannend blieb und alle Anwesenden trotz der späten Stunde wach hielt und elektrisierte.

Bravo an beide Spieler; und herzlichen Glückwunsch, Matthias Strumpf, der mit seinem Turniersieg eine längere Durststrecke beenden konnte!
Glückwunsch aber auch an die anderen Preisträger: Christian Plenz, Vitali Olchanski und Ralf Sudbrak auf den Plätzen 2 bis 4. Und an Thomas Koch, den Gewinner der Second Chance, sowie seinen unglücklichen Finalgegner Tilman Söhnchen.

Jahreswertung: Christian Plenz zieht davon

In der Jahreswertung spiegeln sich die letzten Ergebnisse deutlich wieder: Durch seine Finalteilnahme behauptet Christian nicht nur die Spitze, sondern hat sich von seinen Verfolgern abgesetzt und inzwischen einen Vorsprung von 24 Punkten. Die Verfolgergruppe mit Jan Jacobowitz, Ralf Sudbrak, Klaus Klein und Mejer Breslav ist nur durch 7 Punkte getrennt – im Moment sieht es aber fast so aus, als sei der Kontakt zu Christian schon etwas abgerissen; doch noch ist die Saison lang. Dahinter folgen mit kleinem Abstand auf Platz 6 und 7 Hamid Akbari, der bisher als Einziger bei jedem Turnier das Viertelfinale erreicht hat, und Matthias nach seinem Turniersieg.

22 Teilnehmer zeigten im April, dass die Berliner Meisterschaft inzwischen eine sehr konstante Beteiligung aufweisen kann. Wir bedanken uns bei allen Teilnehmern für ihre Teilnahme und ein schönes und gelungenes Turnier! Hoffentlich hat es allen Spielern Spaß gemacht, gerade auch denjenigen, die nicht vom Glück verfolgt waren, Spiele unglücklich verloren haben oder die Preisränge knapp verpasst haben. Backgammon bleibt auch im April 2011 die einzigartige Mischung aus Glück und Können, die uns alle immer wieder in ihren Bann zieht!

Und so wird es ohne Zweifel auch am 14. Mai 2011 wieder sein, wenn wir uns zur nächsten Ausgabe der Berliner Meisterschaft um 14.30 im Café Kleisther wiedersehen!
Wir freuen uns darauf – auch auf ein besonderes Side Event: Peer Röwer hat vor ein paar Wochen für Mochys Aktion nach dem Erdbeben in Japan gespendet und einige Matches für Berliner Spieler erworben: Im Rahmenprogramm der Berliner Meisterschaft im Mai werden werden daher Spieler ermittelt werden, die die Gelegenheit bekommen werden, zu je einem Dreipunktmatch gegen Mochy anzutreten. Sicher eine schöne Gelegenheit, gerade für die nicht ganz so erfahrenen Spieler, die nicht auf internationalen Turnieren ein und ausgehen, sich mit einem der besten Spieler der Welt und der aktuellen Nummer Eins der Giants List zu messen!

Herzliche Grüße,
Daniel und Dankwart

Finalrunde
1. Matthias Strumpf
2. Christian Plenz
3. Vitali Olchanski
4. Ralf Sudbrak

Second Chance
1. Thomas Koch

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