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Christian Plenz ist Berliner Meister 2011!

21. November 2011

Bericht Jahresendturnier 2011

Die Berliner Meisterschaft 2011 ist Geschichte. Und Berlin hat einen neuen Backgammonmeister! Berlin Backgammon gratuliert Christian Plenz zu seinem Titelgewinn! Doch das war nicht das einzige Ergebnis des Jahresendturniers im November. Daher von Anfang an:

26 Teilnehmer hatten sich zum Kehraus der Backgammonsaison im Café Kleisther eingefunden: Acht Half Entries und 18 Full Entries, 7 Sidepoolspieler. Die ersten 11 der Rangliste waren geschlossen angetreten, um noch Punkte für die Rangliste zu sammeln und einen der dotierten Plätze anzugreifen, und von den ersten 20 waren 17 dabei. Dazu kamen mit Peer Röwer und dem Gewinner beider Jahreszeitenturniere in diesem Jahr, Thomas Zimmer ein paar Spieler, die sich mehr auf Großereignisse konzentrieren. Und mit Edvard Karasu war auch ein Spieler dabei, den wir erstmalig bei einem unserer Turniere begrüßen konnten. Herzlich willkommen!

Unter den Teilnehmern des Jahresendturniers sind auch Heribert Lindner und Stefan Blancke

Auch in dieser Saison waren immer wieder starke auswärtige Spieler dabei, für die Berlin eine Reise wert war, sei es wegen einer erfolgreichen Turnierteilnahme oder wegen des reizvollen Rahmenprogramms, das Berlin bietet. Oder beidem. Diesmal war wieder einmal Stefan Blancke aus Lüneburg da und auch Martin Birkhahn aus Schwerin ist fast schon ein Stammteilnehmer bei der Berliner Meisterschaft. Vor allem haben wir uns aber gefreut, dass sich Martin Barkwill aus Newcastle wieder sehen ließ – würde er seinen Erfolg vom Juni wiederholen können, als er bei seiner ersten Turnierteilnahme gleich ins Finale gekommen war? Eine erfreuliche Überraschung war auch das erste Gastspiel von Heribert Lindner, 2009 erster Gewinner des Frankfurter HessenCups in Berlin. Auch ihn heißen wir herzlich willkommen!

Klaus vs. Matthias vs. Christian

Das Vorrunde des Jahresendturniers besteht eigentlich aus zwei Wettbewerben: Über dem einen steht die Frage, wer sich im Vorderfeld platzieren und um den Turniersieg und die Preisgeldplätze spielen kann. Auf der anderen Seite steht das Turnier natürlich auch ganz im Zeichen der Suche nach dem Berliner Meister 2011. Und hier bringt schon die erste Runde zwei spannende Duelle: Mit Klaus Klein und Matthias Strumpf duellieren sich zwei Aspiranten auf Podestplätze oder den Titel des Berliner Meisters direkt und nehmen sich dabei gegenseitig Punkte weg. Dementsprechend umkämpft verläuft das Siebenpunktematch: Matthias liegt schon 3:6 zurück, schafft aber die Wende und gewinnt das Match! Währenddessen hat es Christian Plenz auch nicht einfach: Er muss gegen Martin Birkhahn antreten, den Sieger des Juliturniers der Berliner Meisterschaft. So kann man schon von einem kleinen Big Point für die Meisterschaft sprechen, als Christian nach hartem Kampf gewinnt.

In der zweiten Runde kann Christian seinen Vorteil transportieren: Er gewinnt gegen Igor Kaplanski. Matthias holt gegen gegen den Finalisten vom Oktober, Thomas Krüger, ein 0:4 auf, muss aber dann doch klein beigeben, während Klaus durch einen Sieg gegen Heribert Lindner dranbleiben kann.

Das gelingt Hamid Akbari und Julian Becker nicht: Der Vierte und der Fünfte der Rangliste starten mit zwei Niederlagen. Da beide schon vor dem Turnier ohnehin nur noch theoretische Chancen auf die Berliner Meisterschaft hatten – Turniersieg mit einem Durchmarsch ohne Niederlage oder ähnliches – reduziert sich das Feld der Anwärter auf die Meisterschaft schon früh endgültig auf die drei Erstplatzierten Christian, Klaus und Matthias. Und im direkten Duell zwischen Hamid und Julian in der dritten Runde geht es nur noch um internes Prestige, 7 Punkte für die Rangliste und darum, wer seine kleinen Chancen wahren kann, die Finalrunde zu erreichen: Hamid setzt sich glatt durch.

Turnieratmosphäre beim Jahresendturnier

Die dritte Runde sieht Matthias im Vorteil, denn während er den Finalisten vom September, Tim Schuettler niederhalten kann, lassen die beiden anderen Meisterschaftsaspiranten über Kreuz Federn gegen starke Konkurrenten: Dankwart Plattner und Martin Birkhahn gewinnen glatt gegen Christian und Klaus.

Die vierte Runde ist die einzige, in der alle drei ihre Matches gewinnen: Klaus und Christian setzen sich gegen die Kontrahenten des Septemberfinals, Sieger Dieter Münster und runner up Tim Schuettler durch. Sehr knapp geht es zwischen Matthias und Hartmut Schuler zu: Hartmut hat den Sieg beim Bearoff fast schon in der Tasche, als er durch einen Pasch doch noch einen Schuss lassen muss. Matthias braucht die 4 – bekommt sie und gewinnt das Match.

So entsteht vor der letzten der fünf Schweizer Runden die interessante Konstellation, dass keiner der drei Meisterschaftskandidaten schon sicher in der Finalrunde ist, aber auch noch keiner endgültig die Qualifikation verpasst hat.

Was lange währt…

Etwas im Windschatten des Dreikampfes um die Berliner Meisterschaft spielt der Rest des Feldes um Ranglistenpunkte und die Qualifikation für die Finalrunde: Nach drei Runden sind Dankwart Plattner und Martin Barkwill noch ohne Niederlage. Und auch wenn sie anschließend nicht ohne Niederlage durch den Rest der Vorrunde kommen, qualifizieren sie sich sicher für die Finalrunde. Auch Martin Birkhahn kann sich trotz eines schweren Vorrundenprgramms (er hat es nur mit Gegnern aus den ersten 11 der Jahreswertung zu tun, darunter Christian und Klaus) mit vier Siegen überzeugend für die Finalrunde qualifizieren. Und auch Stefan Blancke verliert nur gegen den Vorrundensieger.

Dass dies Tilman Söhnchen ist, ist für manche eine kleine Überraschung. Denn bisher hatte Tilman ebenso ehrgeizig wie vergeblich versucht, die Finalrunde zu erreichen, hatte wie Sysyphos immer wieder versucht, einen Stein einen steilen Berg hinaufzurollen, der ihm immer wieder entglitten war, und Tilman war gescheitert – teilweise kurz vor Erreichen des großen Ziels, aufgrund der Buchholzwertung oder sogar im Stechen.

Tilman Söhnchen dominiert die Vorrunde mit fünf Siegen und ohne Niederlage

Diesmal ist alles anders: Tilman spaziert durch die Vorrunde, besiegt nacheinander Edvard Karasu, Stefan Blancke, Hartmut Schuler, Martin Barkwill und – nach 0:5! – Dankwart Plattner. 5 Siege: Kompliment für den Vorrundendurchmarsch!

Klaus besiegt in der letzten Vorrunde Rookie Edvard Karasu und muss mit 3:2 Siegen hoffen, dass seine Buchholzwertung reicht und nicht zu viele Spieler an ihm vorbeiziehen. Nebenan kommt es zu einer sehr interessanten und für die Gesamtwertung unheimlich wichtigen Begegnung: Denn die Auslosung bringt das Aufeinandertreffen der Nummer 1 der Rangliste gegen die Nummer 2, die beide bei 3:1 Siegen stehen. Und bei der Dichte und Qualität des Feldes ist zu vermuten, dass der Sieger den Verlierer aus der Finalrunde stößt. So scheint es vorübergehend wie eine Vorentscheidung für die Berliner Meisterschaft, als Christian gegen Matthias gewinnt und sich mit 4:1 Siegen souverän für die Finalrunde qualifiziert.

Die Ergebnisse der letzten Vorrundenmatches werden Klaus miss- und Matthias eher gefallen haben: Denn während sich Matthias trotz der Niederlage doch noch für das Viertelfinale qualifiziert und die Entscheidung über den Berliner Meister vertagt, muss Klaus hoffen, dass er vielleicht in der Second Chance noch durchmarschieren und hoch punkten kann und vor allem Christian in der Finalrunde früh ausscheidet.

Schließlich muss doch noch ein Onepointer-Stechen her: Punktgleich nach Siegen und Buchholzpunkten sind am Ende der Vorrunde Hartmut Schuler und Jan Jacobowitz. Dabei setzt sich Jan hauchdünn im Bearoff durch. Hartmut, der die ganze Vorrunde über auf gutem Weg in die Finalrunde schien, wird unsanft und unglücklich aus dem Rennen um den Turniersieg gestoßen, während Jan sehen kann, was ihm die Finalrunde bringt…

Herzlichen Glückwunsch an den Berliner Meister!

Das Viertelfinale bringt einen knappen Sieg im DMP von Martin Barkwill gegen Stefan Blancke. Ebenso knapp und spannend geht es zwischen Dankwart Plattner und Martin Birkhahn zu, auch hier hat ein Martin das bessere Ende für sich: Martin Birkhahn darf weiter auf den Turniersieg hoffen. Für Tilman Söhnchen dagegen wachsen die Bäume nicht in den Himmel: Er unterliegt Jan Jacobowitz.

Vor allem aber bringt diese Runde die Entscheidung über die Berliner Meisterschaft: Zum zweiten Mal hintereinander treffen Christian und Matthias direkt aufeinander: In einem intensiven und teilweise verbissen geführten Match kann Christian schnell 6:1 (auf 9 Punkte) in Führung gehen.

Christian Plenz beim entscheidenden Match für die Berliner Meisterschaft

Matthias lässt sich zwar nicht abhängen und holt auf, sodass Christian bald nur noch 7:5 in Führung liegt. Doch kurze Zeit später hat er Matchpoint, kann die Crawfordpartie drehen und das Match gewinnen.

Damit hat Christian nicht nur einen direkten Konkurrenten aus der Finalrunde in die Second Chance geschickt: Vor den weiteren Runden, die am zweiten Turniertag stattfinden, ist er in der Jahreswertung nicht mehr einzuholen. Seit März hatte Christian die Jahreswertung der Berliner Meisterschaft angeführt. Und nach Platz 3 im Jahr 2009 und Platz 2 im Vorjahr wird er 2011 Berliner Meister im Backgammon! Über Nacht kann er bereits zahlreiche Glückwünsche entgegennehmen, die ihn persönlich und via Internet erreichen. Wir schließen uns an: Herzlichen Glückwunsch Christian!

Ein gelöster Christian Plenz nach dem entscheidenden Sieg gegen Matthias Strumpf im Viertelfinale

Second Chance: Zwei Zweite – ein Sieger

Die Geschichte der Second Chance ist schnell erzählt: Hier fällt zunächst die Entscheidung über den zweiten Platz in der Jahreswertung – das heißt, sie fällt vielmehr nicht: Klaus gewinnt gegen Igor Bakunowizki, der seinen Startplatz bei einem Satelliten erspielt hatte und erhält 5 Punkte für die Rangliste, womit er Matthias Strumpf einholt. Anschließend ist aber gegen Tilman Endstation und Klaus muss abwarten, wie Matthias nach seinem Ausscheiden aus der Finalrunde in der Second Chance abschneidet. Ein Sieg würde Matthias für den ungeteilten zweiten Platz reichen. Aber er verliert schon in seinem Auftaktmatch gegen Vitali Olchanski.

Damit steht fest, dass Klaus und Matthias sich den zweiten Platz teilen. Herzlichen Glückwünsche an Klaus Klein und Matthias Strumpf für ihre Jahresleistung und den Lohn in Form eines Platzes auf dem Treppchen und eines schönen Glaspokals, den – wie auch die anderen Pokale – das Spiellokal Café Kleisther (zusammen mit der Turnierleitung) gestiftet hat.

Gemeinsam auf dem zweiten Platz der Jahreswertung: Klaus Klein...

... und Matthias Strumpf.

Hamid Akbari erreicht in der Second Chance das Viertelfinale und sichert sich damit den 4. Platz in der Jahreswertung. Kompliment! Ein Kompliment für seine Jahresleistung hat auch Julian Becker verdient, auch wenn das Jahresendturnier nicht nach seinen Wünschen verläuft und er in der Rangliste vom fünften auf den achten Platz zurückfällt. Aber auch er hat sich in diesem Jahr zu einem ernsthaften Anwärter auf die Preisgeldplätze entwickelt.

Auch Ralf Sudbrak und Helmut Krausser können in der Second Chance nichts mehr ausrichten und fallen in der Rangliste um jeweils zwei Plätze zurück. Dennoch behaupten sie einen Platz in den Top Ten.

Während die Finalrunden-Viertelfinalverlierer Mattthias und Stefan Blancke auch in der Second Chance früh scheitern, können sich in der oberen Hälfte Tilman und Dankwart Plattner bis ins Halbfinale vorspielen. Dort kann sich Dankwart durchsetzen und wie beim Berliner Herbst über den Umweg der Trostrunde noch einen Platz in den Preisrängen belegen. Doch an dieser Stelle noch einmal auch ein Kompliment an Tilman: Beim Jahresendturnier macht er nicht nur dadurch auf sich aufmerksam, dass er zum ersten Mal die Finalrunde um den Turniersieg erreicht hat. Am Ende hat er die drittmeisten Turnierpunkte gesammelt, einen Punkt mehr als der Zweite des Jahresendturniers. Der Lohn: Er kann sich in der Schlussrangliste 2011 noch um drei Plätze auf den sechsten Platz vorschieben.

Im Finale der Second Chance trifft Dankwart auf Vitali Olchanski, der zuvor Gerhard Zerbin, Matthias Strumpf, Rolf Schüler und im Halbfinale den Sieger des Berliner Herbsts, Thomas Zimmer ausgeschaltet hat. Und auch im Finale geht Vitalis Erfolgsweg durch die Second Chance weiter und er lässt Dankwart keine Chance. Dennoch Kompliment an Dankwart, der sich in der Jahreswertung 2011 vom zehnten auf den siebten Platz verbessern kann. Sein Bezwinger Vitali Olchanski hatte im April den dritten Turnierrang belegt, war aber ansonsten in diesem Jahr zu einem Spezialisten für die Second Chance geworden. Schon bei ihrer Premiere im Februar hatte Vitali das Finale der Second Chance erreicht und sie im Juli gewonnen. Nun der zweite Sieg – herzlichen Glückwunsch!

Vitali Olchanski gewinnt die Second Chance gegen Dankwart Plattner

Doppel: Team Schöneberg gegen Team HessenCup

Lange war offen, ob beim Jahresendturnier ein Doppelturnier würde stattfinden können, das mittlerweile eine schöne Tradition zum Jahresende ist. Angesichts der Länge des Turniers und besonders der ausgedehnten Second Chance (am Sonntag waren die meisten Spieler noch aktiv) sind der Raum und der zeitliche Rahmen im Café Kleisther am Sonntag etwas eng. Doch am Ende finden sich erfreulicherweise 16 Spieler, die für ein komplettes Achterfeld sorgen. Ins Finale kann sich der Fuldaer Heribert Lindner, der mit dem ehemaligen Frankfurter Dankwart Plattner ein hessisches Team bildet, spielen. Dankwart muss zeitweilig zwischen der Second Chance und dem Doppelturnier hin und her switchen, in beiden Wettbewerben geht es schließlich um einen Preisgeldplatz. Dankwart erreicht ihn in beiden Turnieren, und Heribert kann sich so bei seiner ersten Teilnahme in Berlin doch noch in den Preisgeldrängen platzieren. Im Finale haben allerdings Rolf Schüler und Daniel Kotrc aus Berlin Schöneberg die Nase vorn und treten die Nachfolge von Martin Birkhahn und Peer Röwer an, die diesmal nicht am Start sind. Herzlichen Glückwunsch an Rolf und Daniel zur Berliner Meisterschaft im Consulting Double 2011!

Beim Doppelturnier unterliegen Dankwart und Heribert Rolf Schüler (rechts) und Daniel Kotrc.

Der Letzte wird der Erste sein – und der Erste der Letzte

In der nun anstehenden Turnierentscheidung stehen sich vier hochkarätige Spieler gegenüber, und der Verlauf der beiden Halbfinals enttäuscht die hohen Erwartungen nicht: Zwischen Christian Plenz und Martin Barkwill entwickelt sich ein enges, spannendes Match, bei dem sich bis zum 5:4 kein Spieler absetzen kann. Dann aber spielt Christian nach eigener Einschätzung etwas offen und verliert gammon, sodass Martin 8:5 in Führung gehen kann. Aber Christian kommt wieder heran und geht sogar wieder in Führung. Bei 9:9 kommt es zur dramatischen Entscheidungspartie: Ein frühes Doppel von Martin setzt Christian unter Druck. Es folgt ein beiderseitigen Haltespiel. Christian wird getroffen und trifft zwei Schüsse von der Bar gegen Martins schrumpfendes Homeboard nicht. Und als Martin drei Schlusspäsche aus dem Würfelbecher zaubert, ist die Partie und das Match entschieden – gammon und 13:9!

Martin Birkhahn mit seinem Equipment vor dem Halbfinale

Noch interessanter und spektakulärer entwickelt sich das Match von Martin Birkhahn gegen Jan Jacobowitz: Martin geht zunächst in Führung, baut diese auf 9:2 aus und scheint dem sicheren Finaleinzug entgegen zu spielen. Aber dann holt Jan pèu a pèu auf. Je länger das Match dauert, und je enger und spannender es zugeht, desto mehr Kiebitze sammeln sich um das Brett und werden Zeuge von Jans nervenstarker Aufholjagd. 9:4 führend spielt Martin ein Backgame mit 11 Steinen auf dem gegnerischen 1-er und 2-er Punkt, die hinter einer 6-Prime und dann einer 5-Prime stehen, und 4 Steinen auf dem eigenen 3er-Punkt.

Martin steht mit 11 Steinen hinter der Prime von Jan. Martin Birkhahn (rot) - Jan Jacobowitz (weiß). Spielstand 9:4 (auf 13 Punkte).

Martin gelingt es tatsächlich, einen späten Schuss zu treffen, dann einen weiteren, und muss in einem schwierigen und lang andauernden Containmentgame versuchen, die beiden gegnerischen Steine zu halten und sein Board zu verbessern, ist dabei zeitweise ca. 65%iger Favorit in der Partie…

Position, nachdem Martin aus dem Backgame heraus 2 Checker getroffen hat. Martin Birkhahn (rot) - Jan Jacobowitz (weiß). Spielstand 9:4 (auf 13 Punkte).

… kann die beiden geschlagenen Checker zunächst auf dem eigenen Acepoint verhaften, verliert die Partie aber letztendlich knapp im Rennen.

Es sind dies unvergessliche Momente in der Geschichte von Berlin Backgammon. Denn nach dieser wahren Marathonpartie mit 83 Zügen für beide Spieler brandet mitten im Match spontaner Applaus der dicht gedrängt stehenden Kiebitze für Jan und Martin auf, die sich in ihrer Auseinandersetzung nichts schenken. Zu diesem Match passt es, dass Jan erst auf 8:9 herankommt, dann wieder einen Rückschlag erleidet, 2 Punkte abgeben muss – 8:11 – um dann die nächste Partie gammon zu gewinnen: 12:11 Am Ende wird Jans Aufholjagd belohnt, er verwandelt seinen Matchpoint in der Crawfordpartie und erreicht das Finale – und das, nachdem er mit einer Niederlage (gegen Stefan Blancke) gestartet war, während der ersten vier Runden der Vorrunde zu keinem Zeitpunkt unter den besten acht gestanden, sein letztes Vorrundenmatch gegen Martin Birkhahn verloren und erst im Bearoff des Stechens die Finalrunde erreicht hatte. Und dann dieses Halbfinale – was für ein Comeback im Turnierverlauf und in diesem Match!

Dank der Tatsache, dass Martin seine Matches mit einer Kamera aufgezeichnet hat, kennen wir auch die Error Rates dieses grandiosen Matches (Jan ca. 6, Martin ca. 10) und wissen auch, dass vor allem Martin schon bessere Werte gespielt hat. Aber angesichts der Länge des Matches und der vielen komplizierten Entscheidungen im Backgame und vor allem im anschließenden Containmentspiel beim Stand von 9:4 für Martin muss man dies auch einordnen und relativieren. Die Turnierleitung möchte zudem ausdrücklich die Tatsache würdigen, dass Martin und andere ihre eigenen Matches zur Analyse aufnehmen oder mitschreiben und dem Backgammon helfen, indem sie diese dann zur Verfügung stellen. Respekt dafür und Kompliment für das aufregende Match an Martin und Jan!

Kiebitze verfolgen die Turnierentscheidung

Mit diesen großartigen Halbfinals können die beiden letzten Matches nicht ganz mithalten: Christian kann sich im Spiel um Platz 3 gegen Martin Birkhahn glatt durchsetzen. Glückwunsch an beide Spieler für ihre gute Turnierleistung und an Christian, der sich nach dem Gewinn der Berliner Meisterschaft noch den 3. Turnierrang sichern kann!

Auch im Finale trifft mit Jan Jacobowitz ein Berliner Platzhirsch auf einen auswärtigen Spieler: Martin Barkwill. Das Finale beginnt eng, Jan gewinnt die erste Partie und gerät dann 1:2 und 2:3 in Rückstand.

Das anschließende Game bekommt vorentscheidenden Charakter: Martin doppelt früh und kann gegen Jan, der mit 4 Steinen auf Martins 4-er Punkt gegen eine 5-Prime feststeckt, seine Gewinnchancen Stück für Stück auf über 90% und schließlich sogar auf 97-98% in dieser Position steigern:

Martin in einer Position, in der er ca. 98% Favorit für die Partie ist. Martin Barkwill (rot) - Jan Jacobowitz (weiß). Spielstand 3:2 (auf 15 Punkte).

Aber dann, als er schon 6 Steine ausgespielt hat und Jan sein Homeboard nicht mehr schließen kann, muss Martin einen Schuss und, als er nicht getroffen wird, anschließend auch noch einen Folgeschuss lassen.

Als Martin einen Folgeschuss lassen muss, wird er getroffen. Jan Jacobowitz (weiß) - Martin Barkwill (rot). Spielstand 2:3 (auf 15 Punkte).

Und diesen trifft Jan. Drei Tanzeinlagen Martins später und sieben Züge, nachdem er bei ca. 98% stand, hat hat er noch knapp 30% Gewinnchancen in dieser Partie. Jan hat 4 Steine ausgespielt und doppelt zurück. Direkt danach eine 32 für Jan und die Frage ist, ob man hier sicher spielen, einen Stein vom 5-Punkt ausspielen oder den 3-Punkt auflösen muss.

Jan (weiß) hat 32 zu ziehen. Jan Jacobowitz (weiß) - Martin Barkwill (rot). Spielstand 2:3 (auf 15 Punkte).

Diese Frage sorgt für Diskussionen auch unter den Kiebitzen. Jan spielt richtigerweise einen Stein aus – sicher von hinten aufzulösen kann man sich angesichts der 6 ausgespielten gegnerischen Steine nicht leisten. Aber statt mit 5/off einen Schuss zu lassen, weil der Gegner ja noch 2 Blots in seinem gecrashten Board stehen hat, hätte man doch 3/off 3/1 spielen sollen. Wie auch immer: Martin trifft den Blot nicht, sondern tanzt auf Jans Vierpunktboard, sodass Jan seinen Blot ausspielen kann und diese Partie gewinnt. Statt 5:2 für Martin steht es 6:3 für Jan. So ist Backgammon.

Jan Jacobowitz und Martin Barkwill beim Finale, Protokollant Thomas Krüger und diverse Kiebitze

Diese Partie ist der Knackpunkt des Matches. Anschließend läuft es wie geschmiert für Jan. Er spielt, doppelt und taked selbstbewusst und mutig, als wäre er unverwundbar, und dabei doch auf hohem Niveau: am Ende bewertet die Analyse von Extreme Gammon ihn mit einem Performance Rating von knapp unter 5 (World Class). Martin versucht alles, zerrt an den Ketten und setzt sich zur Wehr, spielt laut Analyse selbst auf Expert-Niveau, aber er hat keine Chance. Nach der 3:2-Führung gewinnt er keinen Punkt mehr. Jan gewinnt das Finale des Jahresendturniers 2011 souverän 15:3.

Danke an Thomas Krüger, der das Finale mitgeschrieben hat. Und Kompliment an beide Finalteilnehmer. Congratulations Martin for your second final in your second appearence! Und vor allem herzlicher Glückwunsch an Jan Jacobowitz! Durch seinen Sieg kann er in der Schlussrangliste noch von Platz 11 auf Platz 5 springen. Bei seinem Turniersieg beeindrucken neben seinen spielerischen vor allem seine Comeback-Qualitäten im Stechen nach der schwierigen Vorrunde und in der Finalrunde mit dem Höhepunkt des Sieges gegen Martin Birkhahn. Schon das erste Turnier des Jahres im Februar hatte Jan gewonnen – mit seinem zweiten Sieg beim letzten Turnier schließt sich nun am späten Sonntagabend der Kreis des Backgammonjahres. Der erste wird auch der letzte Turniersieger der Berliner Meisterschaft 2011.

Turniersieger Jan Jacobowitz bei der Siegerehrung

Dank, Glückwunsch und Ausblick

Vielen Dank allen Teilnehmern und den Kiebitzen für die angenehme Atmosphäre. Es war aus unserer Sicht ein schönes und gelungenes Jahresendturnier. 26 Teilnehmer und ein etwas anderer Modus für das Jahresendturnier sorgten für eine Rekordzahl von genau 99 gespielten Matches (92 beim Jahresendturnier, 7 beim Doppelturnier), die erfolgreich über die Bühne gebracht wurden.

Vielen Dank auch an Klaus Klein, der zusammen mit Daniel Kotrc das Turnier mit der Kamera begleitet und viele schöne Fotos gemacht hat. Das Album zum Jahresendturnier findet ihr hier.

Ein großer Dank geht auch an das Café Kleisther, das uns 2011 bei allen zehn Turnieren und bei unseren Amateurturnieren trotz verschiedener Widrigkeiten beherbergte. Und an alle, die uns in verschiedenen Sitautionen unterstützten und die Turniere dieses Jahres möglich machten!

Wir gratulieren den Siegern und Preisträgern des abschließenden Turnierwochenendes sehr herzlich: Jan Jacobowitz für den Turniersieg und Martin Barkwill, Christian Plenz, Martin Birkhahn, Vitali Olchanski und Dankwart Plattner sowie den Siegern im Consulting Double, Rolf Schüler und Daniel Kotrc für ihr erfolgreiches Turnierabschneiden. Und natürlich auch den Siegern in der Jahreswertung: Klaus Klein, Matthias Strumpf und dem neuen Berliner Meister Christian Plenz! Herzliche Gratulation!

Die Ehrung für die drei Ersten der Berliner Meisterschaft 2011: Der Berliner Meister Christan Plenz (Mitte) sowie die zweitplatzierten Matthias Strumpf (links) und Klaus Klein (rechts)

Wir sehen uns wieder in der Backgammonsaison 2012. Bis dahin viel Spaß und Erfolg bei anderen Backgammonereignissen und eine schöne Weihnachtszeit! Wir freuen uns auf das neue Backgammonjahr!

Herzliche Grüße
Daniel Kotrc und Christian Plenz

Finalrunde:
1. Jan Jacobowitz
2. Martin Barkwill
3. Christian Plenz
4. Martin Birkhahn

Second Chance:
1. Vitali Olchanski
2. Dankwart Plattner

Doppel:
1. Rolf Schüler / Daniel Kotrc
2. Dankwart Plattner / Heribert Lindner

Die Statistik des Turniers mit dem Endergebnis der Vorrunde, der Second Chance und der Finalrunde ist hier zu finden.

Abschlusswertung der Berliner Meisterschaft 2011:
1. Christian Plenz
2. Klaus Klein / Matthias Strumpf

Die Schlussrangliste 2011 ist hier zu finden.

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