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Déjà-vus mit vertauschten Vorzeichen

18. März 2012

Turnierbericht Berliner Meisterschaft März 2012

Spätwinterliche Temperaturen, ein relativ kleines Teilnehmerfeld, ein erneut spannender Wettbewerb und eine Reihe von Deja-vus (teils unter vertauschten Vorzeichen) – das waren die Ingredienzien, aus denen sich die Berliner Meisterschaft im März zusammensetzte.

Merklich überschaubarer als sonst zeigte sich im März der Turniersaal der Berliner Meisterschaft. Möglicherweise auch eine (Spät)Folge des Winters im Februar: Denn während das letzte Turnier noch von arktischen Temperaturen begleitet gewesen war, hatte sich der Winter am zweiten Märzwochenende zwar schon etwas zurückgezogen, auch wenn von Frühling noch keine Rede sein konnte. Aber einige Teilnehmer waren dennoch gezeichnet von Winter und Kälte und saßen mit Schal am Brett oder krächzten mit heiserer Stimme durch den Turniersaal. Auch waren diesmal keine auswärtigen Gäste erschienen, sodass wir gerade einmal 20 Teilnehmer begrüßen konnten.

Vorrunde:

Zum Turnierverlauf: Völlig resistent gegenüber solchen Nebensächlichkeiten wie Temperaturen und Jahreszeiten scheint zunächst Hobby-Triathlet Thomas Koch zu sein: Seinen Gegnern begegnet er kernig im kurzärmligen T-Shirt, aus dem sich seinem Gegenüber furchterregend eine geballte Faust entgegenstreckt, auf deren Fingern steht: TAKE. Derart gewappnet, verabreicht er zum Auftakt dem Berliner Meister Christian Plenz eine 0:5 Niederlage. Überhaupt werden zu Turnierbeginn einige Teilnehmer kalt erwischt: In der ersten Runde enden von zehn Matchces nicht weniger als fünf ohne Punktgewinn für den Verlierer: Das selbe Schicksal wie Christian widerfährt Jan Jacobowitz gegen Ralf Sudbrak, Helmut Krausser gegen Julian Becker, Rochus Wegener gegen Dieter Münster und Peter Gaebler gegen Hamid Akbari. Besonders überrumpelt muss sich Tim Schuettler vorkommen: In der ersten Partie setzt er anfangs mit einem Pasch-5 zwei Steine seines Gegners Carsten Müncheberg auf die Bar, doppelt – und verliert Backgammon und das Match.

In der zweiten Runde variiert Thomas sein Erfolgsrezept in einem äußerst engen Match gegen Dankwart Plattner und bietet ein paar mörderische Swings; In der ersten Partie setzt Dankwart drei Steine von Thomas auf die Bar und schafft closed board – die Messe scheint gelesen. Aber dann wirft Dankwart einen Pasch-4, der teilweise blockiert ist, sodass er seinen 6-Punkt öffnen muss. Thomas wiederum wirft in vier Würfen drei Sechsen, rechtzeitig um noch einen Schuss zu bekommen, als Dankwart seinen letzten Außenfeldanker auflösen muss – und zu treffen. Auch dann braucht Thomas noch eine Menge Glück um den geschlagenen Stein aufzuhalten, aber er kann eine 5-Punkt-Prime zusammenbasteln und Dankwart dann herausdoppeln. Am Ende kommt es zu DMP, und dort gelingt es Thomas, von einem Dreifachschuss nicht getroffen zu werden – Dankwart wirft einen von nur 8 aus 36 Würfen, die nicht treffen – und die entscheidende Partie im Rennen zu gewinnen. Auch das ist Backgammon.

Nachdem Thomas auch sein drittes Match gegen Tim trocken und glatt gewinnt, steht er praktisch schon sicher unter den ersten acht der Vorrunde: 3 Siege reichen in der auf 4 Runden verkürzten Vorrunde nach den bisherigen Eindrücken des neuen Modus‘ wohl auf jeden Fall für einen Platz unter den ersten acht und das Erreichen der Finalrunde. Nach drei Runden ohne Niederlage können auch Ralf Sudbrak und Maik Kerner, zuletzt zweimal in Folge Sieger des Amateuturniers, schon mal das Viertelfinale einplanen.

Trotz der Vorrundeniederlage gegen Christian Plenz vor den Augen diverser Kiebitze verläuft das Turnier für Tim Schuettler später noch erfolgreich

Dagegen lassen wieder einige Teilnehmer Federn, die 2011 in der Abschlusswertung noch unter den Top Ten gestanden hatten, aber deren Wünsche schon bei der Premiere nicht in Erfüllung gegangen waren: Jan Jacobowitz trifft nach zwei Niederlagen ausgerechnet auf den aktuellen Vizemeister Matthias Strumpf. Bei 1:1 doppelt Jan. Matthias nimmt etwas fragwürdigerweise an und gewinnt Gammon, sodass auch Jan keine Chance mehr hat, das Viertelfinale zu erreichen! Während Dankwart Plattner nach drei Runden ebenfalls noch auf einen Sieg wartet, hat der Berliner Meister Christian Plenz immerhin einmal gewonnen und kann sich noch vage Chancen auf die Finalrunde über eine Stechrunde machen.

Vor der vierten Runde können sich noch acht Spieler mit bisher 2:1 Siegen Chancen ausrechnen, durch einen Sieg in der abschließenden Runde direkt die Finalrunde zu erreichen. Und da in dieser Runde analog zum Schweizer System punktgleiche Spieler gegeneinander gelost werden, kommt es zu einigen direkten Vergleichen: Dabei qualifizieren sich Matthias gegen Dieter Münster und Hamid Akbari gegen den Titelverteidiger Tilman Söhnchen fürs Viertelfinale. Auch Carsten Müncheberg (gegen Thomas Krüger) und Peter Gaebler (gegen Vitali Olchanski) gewinnen und sind zum ersten Mal in der Endrunde um den Turniersieg! Kompliment.

Zwei, die eine erfolgreiche Vorrunde spielen:
Maik Kerner und Peter Gaebler

Helmut Krausser dagegen verliert sein letztes Vorrundenmatch gegen Ralf Sudbrak und muss hoffen, über die Stechrunde noch die Chance zu bekommen, um den Turniersieg zu spielen, er ist eine Art Angstgegner für Helmut. Und wie im Februar spielt Ralf in der Vorrunde auch groß auf und gewinnt alle Spiele! Etwas unerwarteter ist da schon, dass sich Maik Kerner nicht nur ebenfalls für die Runde der besten acht qualifiziert, sondern dass er in der letzten Runde auch noch Thomas Koch besiegen kann und die Vorrunde damit punktgleich mit Ralf als Erster abschließt. Ebenfalls großes Kompliment!

Onepointerstechen und Second Chance

Nach der Vorrunde sind wie im Februar sieben Spieler mit drei oder vier Vorrundensiegen direkt für die Finalrunde quaifiziert.

Der letzte Platz wird zwischen sechs Spielern ausgespielt: Und diesmal kann sich Helmut nach zwei Siegen in Onepointern gegen Christian Plenz und Igor Kaplanski diesen Platz sichern.

Währenddessen beginnt schon die Second Chance, und diesmal gibt es zum ersten Mal eine Runde, in der zwei Spieler aufeinander treffen, die die Vorrunde mit 0 Punkten abgeschlossen haben. Und dann eine Runde, in der Spieler mit 1 Punkt in die Second Chance einsteigen.

Die Sieger dieser Runde sind für das Viertelfinale der Second Chance qualifiziert, ebenso wie die Verlierer der Onepointer-Stechrunde um den letzten Finalplatz. Vier von ihnen treffen hier schon in direkten Vergleichen aufeinander: Igor Kaplanski setzt sich gegen Christian Plenz durch und Tilman Söhnchen gegen Thomas Krüger. Das Halbfinale komplettieren Tim Schuettler, der in einer Wiederauflage des Turnierendspiels vom September 2011 Dieter Münster besiegt, und Vitali Olchanski, der 2011 einer der erfolgreichsten Teilnehmer an der Second Chance gewesen war. Während aber diesmal für Vitali im Halbfinale gegen Tilman Feierabend ist, kann sich Tim gegen den erfahrenen Igor Kaplanski durchsetzen und steht gegen Tilman im Second-Chance-Finale.

Hier entwickelt sich ein enges Match auf 7 Punkte, das über 1:1, 3:3 und 5:5 bis hin zu Double Match Point geht. Und hier sind es zwei Fünferpäsche, die Tilmans Schicksal besiegeln und Tim zum Finalsieg in der Second Chance führen:

Mit dem ersten Pasch-5 bringt sich Tim in Vorteil, als er mit zwei Steinen auf der Bar ist, die er nun ins Außenfeld spielen kann – seine Siegchancen steigen von unter 50% auf ca. 60%.

Mit dem zweiten Pasch-5 kann Tim seine beiden verbliebenen Anker von Tilmans Außenfeld in sein eigenes verschieben und das Rennen und damit die mittlerweile wieder ausgeglichene Partie zu seinen Gunsten vorentscheiden – seine Chancen steigen von 45% auf über 75%. Tilman hat zwar selbst noch einen Anker auf Tims Barpunkt stehen und hofft auf einen späten Schuss. Aber mit Technik und ein wenig Glück gelingt es Tim, seine Anker schussfrei an Tilmans Nachhut vorbeizumanövrieren und in ein endgültig gewonnenes Rennen einzuleiten: Shakehands. Herzlichen Glückwunsch Tim zum Gewinn der Second Chance im März 2012!

Kompliment aber auch an Tilman: Nach seinem Turniersieg im Februar erreicht er erneut ein Finale, diesmal eine Stufe weiter unten. Was ihn hoffentlich über den unglücklichen Finalverlust hinwegtrösten wird, ist seine Finalperformance, die mit einem Performance Rating von 3,7 wieder sehr überzeugend ist.

Analysen

Auch die Berliner Meisterschaft im März ist nicht nur ein Wettbewerb um Matchpunkte und Turnierpunkte. Erneut sind Thomas Koch und Tilman Söhnchen mit aufwendig wirkenden Apparaturen mit Lampe, Stativ und Kamera erschienen und zeichnen ihre Matches auf, um sie anschließend auszuwerten.

Und auch an den anderen Brettern werden nicht nur die üblichen Bad Luck Stories gemacht und weitererzählt. Sondern immer wieder sind Teilnehmer zu sehen, die einzelne Positionen aus ihren eben gespielten Matches in den Computer eingeben und analysieren, um herauszufinden, ob Schlüsselzüge korrekt gezogen wurden oder um nachzusehen, ob eine Verdopplung, die einen das Match gekostet hat, nicht doch vielleicht ein Blunder war…

Positionsanalysen mit Jan und Julian

Eine interessante Position kommt dabei aus dem Vorrundenmatch zwischen Matthias Strumpf und Jan Jacobowitz zur Diskussion und zur Analyse auf den Computer der Turnierleitung:

Match auf 5 Punkte, Spielstand 1:1.
Schwarz am Wurf. Cube Action?

Beim Stand von 1:1 doppelt Jan in dieser Position. Vielleicht etwas überraschend ist, dass dies bereits ein relativ klares Pass zu sein scheint. Der Nachteil des hinten ziemlich festsitzenden Ankers (gegen den schon vorgerückten Anker des Gegners), 70% Verluste und gut 17% Gammons reichen bei diesem Matchscore, um aus einem Take bereits einen knappen Blunder zu machen.

Nach dem Take und nachdem Jan mit 61 korrekt 13/6 gespielt hat, wirft Matthias eine 41 und hier stellt sich erneut eine knifflige Frage: Soll man riskieren, einen oder beide Backchecker zu entwickeln oder zumindest flexibel zu platzieren und für die Flucht vorzubereiten? Oder ist angesichts des Matchscores und der Gefahr möglicher Gammons Vorsicht oberstes Gebot?

Match auf 5. Spielsstand 1:1
Weiß muss 41 ziehen.

Die beiden Kontrahenten sind sich am Brett extrem uneinig. Der eine möchte beide Backchecker mit 24/23, 24/20 entwickeln und flexibel platzieren – der andere verfolgt den gegensätzlichen Gameplan und bevorzugt den 2-Punkt. Die Argumente eines Kiebitzes, der schüchtern einen Kompromiss vorschlägt – 24/23 7/3, womit man die Fluchtchancen diversifizieren würde und für den Fall eines Schlagabtauschs den Blot im Board decken würde – werden kurzerhand verworfen: In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod.

Doch die Analyse zeigt zweierlei:
Die Idee des Kiebitzes war richtig, die Zugvorschläge der Kombatanten sind Blunder. Und: Im Eifer des Gefechts sind es oft Außenstehende, die die Übersicht behalten. Weil sie nicht wie zuweilen Backgammonspieler während eines wichtigen Matches im Eifer des Gefechts stecken, nicht von gelingenden oder scheiternden Gameplänen und nicht von Frustrationen, Ängsten und Hoffnungen zu ihren Entscheidungen geführt werden – und dabei manchmal in die Irre.

Finalrunde

Ab jetzt geht es um den Turniersieg. Und das Viertelfinale bringt das Ende von drei erfreulichen und erfolgreichen Geschichten aus der Vorrunde: Peter Gaebler, Carsten Müncheberg und Maik Kerner können ihre Matches gegen Matthias Strumpf, Hamid Akbari und Helmut Krausser in der ersten Hälfte eng und ausgeglichen gestalten, aber dann setzt sich die Routine jeweils doch noch durch. Das letzte Vertelfinale hat keinen eindeutigen Favoriten und paart Thomas Koch und Ralf Sudbrak, die jeweils ohne große Probleme durch die Vorrunde gekommen sind. Dementsprechend eng geht es zwischen Ralf und Thomas zu, beide spielen auf Augenhöhe. Nach drei Partien steht es 2:2, dann zieht Thomas davon. Und auch wenn Ralf nochmal auf 5:3 herankommt und sich in der anschließenden Partie Vorteile erspielen und erwürfeln kann – im entscheidenden Moment würfelt er unglücklich, muss Schüsse geben, wird getroffen und verliert Gammon und damit auch das Viertelfinale. Interessantes Detail am Rande: Sowohl im Februar als auch im März gewann Ralf alle seine Vorrundenspiele, darunter gegen den späteren Finalisten. Und wie im Februar wird er im Viertelfinale etwas unsanft aus seinen Träumen von Turniersieg und Preisgeldplätzen gerissen. Im Februar von Tilman Söhnchen, der anschließend das Turnier gewann – ein gutes Omen für Thomas Koch?

Alle Ausgeschiedenen sind also kurz vor Erreichen eines Geldplatzes gescheitert. Aber an dieser Stelle Kompliment für ihre Turnierleistung, sei es für das Erreichen des Viertelfinals oder sei es für eine makellose Serie in der Vorrunde. Oder beides.

Die Viertelfinalsieger wiederum sind bereits im Geld, Matthias hat den Sidepool sicher, weil keiner seiner Konkurrenten die Finalrunde erreicht hat. Im Halbfinale gegen Thomas spielen beide Spieler auf hohem Niveau. Doch wie schon im Februar-Finale gegen Tilman wird das vielleicht der einzige Trost sein, der Matthias am Ende bleibt, denn Thomas lässt ihm keine Chance und überlässt Matthias nur das Game zum 2:5, um am Ende 7:2 zu gewinnen. Doch Matthias lässt dich davon nicht aus der Contenance bringen, hat er sich doch immerhin den Sidepool gesichert und gerade beim zweiten Turnier des Jahres zum zweiten Mal einen Geldplatz in der Finalrunde belegt. „Strumpf ging unter“ kommentiert der Unterlegene lakonisch, was ihm gerade widerfahren ist.

Hamid Akbari gegen Helmut Krausser und Thomas Koch gegen Matthias Strumpf spielen ihre Halbfinalmatches

Thomas Koch steht also im Finale. Sein Gegner wird zwischen Hamid Akbari und Helmut Krausser ermittelt, und der Gewinner wird auf jeden Fall zum ersten Mal das Finale eines Monatsturniers der Berliner Meisterschaft erreichen. Bis zum Stand von 4:4 wechselt die Führung, danach aber gewinnt Helmut zwei Partien, damit das zweite Halbfinale und steht im Finale!

Als Halbfinalisten belegen Hamid Akbari und Matthias Strumpf den geteilten 3. Platz. Herzlichen Glückwunsch!

Finale

Das Endspiel bringt ein Déjà-vu unter veränderten Vorzeichen: Denn Helmut Krausser und Thomas Koch standen sich schon im Februar im Finale gegenüber – damals allerdings im Finale der Second Chance. Und nachdem Tilman Söhnchen, der Turniersieger vom Februar, diesmal das Finale der Second Chance erreicht hatte, finden sich drei von vier Finalteilnehmern aus dem Februar auch im März in einem Finale wieder, allerdings im jeweils anderen. Während es für Tilman also etwas nach unten ging, weil er diesmal sein Finale auch noch verlor, steigen Thomas und Helmut eine Stufe nach oben und duellieren sich um den Turniersieg. Nur Matthias tanzt aus der Reihe und spielt nicht zum zweiten Mal hintereinander ein Finale. Tanzen ist im Backgammon verpönt. Aber mit der Halbfinalteilnahme um den Turniersieg wird er dennoch nicht wirklich unzufrieden sein…

Das Finale wird eigentlich schon in der dritten Partie vorentschieden. Beim Stand von 1:1 auf 9 Punkte verdoppelt Helmut – vier Blots von Thomas können bei günstigem Verlauf abgeholt werden. Ein knappes, aber korrektes Doppel. Aber Helmuts Hoffnungen erfüllen sich nicht ganz, denn er kann zwar einen der Blots schlagen. Aber ein Pasch-4 lässt Thomas wieder ankern, selbst einen Stein in seinem Homebard mit Punkt schlagen und in ein offenes Spiel überleiten. Im weiteren Verlauf halten beide Spieler Anker im gegnerischen Homeboard besetzt und schlagen, wenn sie können. So geht es hin und her. Thomas trifft irgendwann einen Stein im Außenfeld durch einen Fernschuss. Die folgenden Tanzeinlagen von Helmut geben Thomas die Zeit, die Steine seines Ankers ins Außenfeld zu transportieren und – auch wenn Helmut sich noch einmal mit einem Pasch zur Wehr setzt – die Gelegenheit, Helmut schließlich einen Redoppler vor die Nase zu setzen. Dieser Würfel muss zwar noch genommen werden, aber Helmut bleibt nicht mehr viel mehr als ein mäßiges Haltespiel mit der vagen Chance auf einen Fernschuss, und ca. 27% Gewinnchancen in dieser Partie. Er bekommt zwar noch einmal einen direkten Schuss und die Chance, die Partie zu wenden. Aber er trifft nicht und liegt bald darauf mit 1:5 zurück.

Helmut Krausser während des Turnierfinals

In einer späteren Phase hätte das Match vielleicht noch einmal spannend werden können: Beim Stande von 7:2 spielt Thomas in einigen Situationen zu wenig mutig. Bei solchen Spielständen sitzt dem Führenden manchmal die Angst vor gegnerischen Glückswürfen oder einem Gammon im Nacken und hemmt ihn. Folgerichtig gewinnt Helmut die Partie – aber eben nur einen Punkt. In gewisser Weise hat Thomas also vielleicht sein Ziel erreicht, auch wenn Helmut auch die nächste Partie gewinnt und beim Stand von 4:7 immerhin noch ca. 25% hat, das Match noch zu gewinnen. Aber schon die nächste Partie bringt die Entscheidung: Von Anfang an in der Defensive, muss Helmut nach ein paar wenig glücklichen Abläufen froh sein, einen Anker auf dem 21-Punkt zu erobern. Etwas todesmutig nimmt er in diesem Haltespiel anschließend Thomas‘ Verdopplung mit nur noch 21% Gewinnchancen in der Partie an – aber schon direkt danach folgt Pasch-5, mit dem Thomas seinen Außenfeldanker auflösen kann. Game over.

Thomas kehrt ein letztes Mal die Ereignisse des Februartuniers um, und gewinnt das Finale der Berliner Meisterschaft im März 2012! Trotz des einigermaßen einseitigen Matchverlaufs (nur in den ersten drei Partien lagen Helmuts Match Winning Chances zwischenzeitlich bei etwas über 50%) war es ein durchaus interessantes Match, das hier im Match Archiv archiviert ist und als .mat Datei oder als XG File (bereits intensiv analysiert und teilweise ausgerollt) vorliegt.

Take?
Thomas Koch während des Turnierfinals

Herzlichen Glückwunsch Thomas! Mit seinem zweiten Turniersieg binnen eines guten halben Jahres schwingt er sich – begleitet von weiteren Preisgeldplätzen innerhalb des letzten guten Jahres – zu einem der erfolgreichsten Turnierteilnehmer der jüngeren Geschichte von Berlin Backgammon auf. Kompliment! Gegen Thomas und seine ganz eigene Mischung aus gutem Spiel, Glück und imposanter Erscheinung war diesmal kein Kraut gewachsen.

Unser Glückwunsch geht aber auch an Helmut Krausser, der sich offenbar im Aufwind befindet und sein erstes Finale bei der Berliner Meisterschaft überhaupt bestritt. Seiner Niederlage und erst recht seiner Finalperformance braucht er sich gewiss nicht zu schämen, denn immerhin zeigte er mit einem Performance Rating von 5,85 eine sehr solide Leistung und war damit auch seinem Finalgegner leicht überlegen.

Ranglisten

In der Jahresrangliste 2012 hat sich nach dem zweiten Turnier eine kleine Spitzengruppe gebildet. An der Spitze liegen die beiden Turnsieger des Jahres: Thomas Koch führt mit einen Punkt vor dem Turniersieger des Februarturniers, Tilman Söhnchen.

Tilman liegt nach zwei Turnieren auf Platz 2 der Jahresrangliste

Knapp dahinter folgen, wenig überraschend, punktgleich die beiden Runner-ups Helmut Krausser und Matthias Strumpf. Sie alle bringen nicht nur eine Teilnahme am Turnierfinale ein, sondern haben außerdem entweder das Finale der Second Chance gespielt oder am Halbfinale des Turniers gespielt.

Ein paar Punkte dahinter folgt Ralf Sudbrak, der in beiden Turnieren alle Vorrundenmatches gewann, darunter gegen den späteren Turnierfinalisten, um dann im Viertelfinale auszuscheiden – beide Male gegen den späteren Turniersieger. Und fast punktgleich Hamid Akbari, der mit sehr erfolgeichen Vorrunden zweimal die Finalrunde erreichen konnte und dort einmal das Halbfinale.

Ralf Sudbrak: Ranglistenfünfter nach zwei Vorrunden ohne Niederlage

In der ewigen Berliner Berliner ELO Liste hat Christian Plenz erstmals seit langer Zeit seine Spitzenposition verloren und ist hinter Thomas Zimmer auf den zweiten Platz zurückgefallen. Um einen Platz verbessert hat sich Matthias Strumpf, der nun auf Platz 6 liegt. Einen beträchtlichen Sprung um 25 ELO-Punkte und 11 Plätze auf Platz 25 hat Thomas Koch gemacht. Deutlich verbessert haben sich auch Finalist Helmut Krausser sowie Maik Kerner, Carsten Müncheberg und Peter Gaebler, die alle die Finalrunde erreichen konnten.

Resümee und Ausblick

Das war das Mäzturnier der Berliner Meisterschaft 2012.

Mit Tim Schuettler war diesmal einer von acht Halbzahlern im Geld.

Erneut spielte sich der Sieger der Onepointer-Stechrunde um einen Finalrundenplatz anschließend auf einen Geldplatz. Gefreut haben wir uns generell darüber, dass auch dieses Mal nicht nur alle Teilnehmer die komplette Vorrunde gespielt haben, sondern auch danach alle in den KO-Runden weitergespielt haben. Dafür bedanken wir uns bei den Teilnehmern, gerade auch bei denen, für die die Vorrunde nicht nach Wunsch verlaufen ist!

Unser Dank gilt wie immer allen Turnierteilnehmern für ihr Kommen. Auch dieses Turnier hat uns Spaß gemacht und fand in angenehmer Atmosphäre statt, sodass wir hoffen, dass Ihr alle wiederkommt und sich auch wieder einige auswärtige Gäste sehen lassen.

Wir gratulieren allen Preisträgern, insbesondere Turniersieger Thomas Koch, sehr herzlich!

Auch nach dem Turnier rauchen die Köpfe noch...

Und wir freuen uns auf das zweite Aprilwochenende! Denn dann wird unser erster Doppelspieltag dieser Saison stattfinden. Denn am Sonntag nach dem

Aprilturnier der Berliner Meisterschaft am 14. April um 14 Uhr

wird wieder der

Berliner Frühling am 15. April um 13 Uhr

stattfinden, zu dem wir schon an dieser Stelle herzlich einladen!

Wir freuen uns auf die Backgammonturniere im nächsten Monat und wünschen bis dahin eine gute Zeit!

Herzliche Grüße

Daniel und Christian

Finalrunde:

1. Thomas Koch
2. Helmut Krausser
3. Hamid Akbari, Matthias Strumpf

Second Chance:

1. Tim Schuettler

Ein statistischer Überblick über die Ergebnisse der Vorrunde, der Second Chance und der Finalrunde, jeweils ab dem Viertelfinale, ist hier  zu finden.

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