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Neue Gesichter und ein alter Hase auf Erfolgskurs

23. April 2012

Turnierbericht Berliner Meisterschaft April und Berliner Frühling 2012 

Deutet sich im Berliner Turnierbackgammon ein Wachwechsel an? Nach drei Turnieren der Berliner Meisterschaft 2012 scheint das zumindest nicht ausgeschlossen. Denn während sich die alten Hasen diesmal auf den Berliner Frühling konzentrierten, während die Mehrheit der Spieler, die in den vergangenen Jahren die Berliner Meisterschaft mitbestimmt oder sogar dominiert haben, aus unterschiedlichen Gründen in der Rangliste nach dem Aprilturnier (noch?) unter ferner liefen plaziert sind,  haben sich an der Ranglistenspitze drei Spieler festgesetzt, die bisher in den Jahresranglisten noch keine große Rolle spielten.  Die Saison 2012 verspricht interessant zu werden!

Zum Spieltag:

Vorrunde:

21 Spieler hatten sich im Spiellokal eingefunden um den dritten Turniersieger des Jahres auszusspielen. Darunter mit James und Ilona Klein zwei neue Spieler, die wir sehr herzlich willkommen heißen! Und mit Ilona nach längerer Zeit endlich mal wieder eine Frau, die es mit den Männern aufnimmt. Wir hoffen auf Wiederholung und Nachahmerinnen!

Mit Stefan Blancke und Hans Schwichow waren auch mal wieder zwei auswärtige Gesichter erschienen. Wir hoffen, dass ihr Beispiel andere Auswärtige auch dieses Jahr dazu inspiriert, Berlin und unseren Turnieren einen Besuch abzustatten.

In der Vorrunde – wie immer seit diesem Jahr in 4 Runden, von denen die ersten 3 frei ausgelost werden und in der letzten punktgleiche- oder benachbarte Spieler gegeneinander gelost werden – reichen aller Vorraussicht nach auch diesmal 3 Siege aus 4 Matches, um die Finalrunde der besten acht zu erreichen.

Durch den Modus kommt es in der 4. Vorrunde wieder zu einigen direkten Duellen punktgleicher Spieler, bei denen der Sieger beste Chancen hat, direkt fürs Viertelfinale qualifiziert zu sein, während sein Gegner auf das Onepointer-Stechen hoffen muss.

In den direkten Duellen 2 Punkte gegen 2 Punkte setzen sich Julian Becker gegen Hans Schwichow und Helmut Krausser gegen Hartmut Schuler durch und können weiter von ihrem ersten Turniersieg träumen. Auch Christian Plenz ist diesmal in der Finalrunde dabei – er muss in seinen letzten Matches immerhin Matthias Strumpf und Jan Jacobowitz schlagen, um sicher qualifiziert zu sein. Nach einem Vorrundensieg im Februar und zwei Siegen im März, die jeweils nicht zum Aufstieg in die Finalrunde gereicht hatten, steht Christian damit mal wieder im Viertelfinale!

Christians Sieg gegen Jan ist das letzte Match der Vorrunde. Möglicherweise gibt es auch deshalb bei diesem langen und spannenden Match ein besonderes  Aufgebot an Kiebitzen.

Rechenspiele:

Da die Auslosung der 4. Runde drei Paarungen von Spielern mit 2 Punkten gegen Spieler mit 1 Punkt präsentiert hat, ist vorerst nicht nur unklar, ob die Spieler mit 2 Siegen in der Stechrunde später um einen oder zwei Finalrundenplätze spielen werden. Tatsächlich hätte ein Erfolg von Jan erstmalig einen zweiten Spot für die 2-Punkte-Spieler im Stechen – in diesem Fall mit Jan und Christian – ermöglicht.

Darüber hinaus gibt es eine Zeitlang sogar ein kleines Fragezeichen, ob diesmal wirklich alle Spieler mit drei Vorrundensiegen für die Finalrunde qualifiziert sind oder ob es diese sein werden, die um die verbleibenden Plätze in der Finalrunde stechen müssen, während die Spieler mit zwei Siegen unter Umständen in die Röhre gucken.

Aber es bleibt alles wie gehabt: Bereits zum dritten Mal in Folge sind nach der Vorrunde sieben Spieler direkt qualifiziert und ein freier Platz wird in einer Stechrunde von Onepointern gesucht. Sicher eine Auffälligkeit, aber eine Gesetzmässigkeit läßt sich daraus natürlich nicht ableiten.

Solchen Entscheidungs-, Nerven- und Rechenspielen gehen vier Spieler weitestgehend aus dem Weg:

Igor Bakunowizki und Igor Kaplanski haben nach drei Runden alle ihre Matches gewonnen und können zumindest davon ausgehen, für die Finalrunde qualifiziert zu sein.  Bei Igor B. gibt es noch theoretische Unsicherheiten, da er in der Vorrunde ein Freilos hatte, aber diese erledigen sich bald, sodass  er seine Niederlage wird verschmerzen können, während Igor K. die Ranglistenpunkte für den Sieg gut gebrauchen kann – durch Erfolgserlebnisse war er zuletzt nicht gerade verwöhnt.

Mit der gleichen Wahrscheinlichkeit sind auch die beiden Turniersieger des Jahres, die auch fast gleichauf an der Spitze der Rangliste liegen – Thomas Koch und Tilman Söhnchen – nach drei Siegen fürs Weiterkommen qualifiziert.

Beider Auftakt war ziemlich mühevoll und wohl auch etwas glücklich  – Thomas muss gegen Hans Schwichow und Hartmut Schuler über DMP gehen, während Tilman gegen Dankwart Plattner 2:4 zurückliegt und über DMP gehen muss. Dass er in der ersten Runde mit Freilos einen eher dankbaren Gegner hat, bringt ihm einen einfachen Punkt – und im Nachhinein die Gefahr, dass das Freilos sich rächt und Tilman in die Stechrunde schickt. Aber auch er kann bald aufatmen.

Thomas und Tilman können sich also im letzten Match der Vorrunde schon für die Finalrunde warmwürfeln. Denn eigentlich geht es nur noch um persönlichen Ehrgeiz und Ranglistenpunkte, als beide zum Abschluss der Vorrunde aufeinandertreffen. Titelverteidiger Thomasss gewinnt 5:0 und setzt seinen Höhenflug fort.

Qualifikationsrunden und 2nd Chance

Ralf Sudbrak, der 2012 bisher alle Vorrundenspiele gewonnen hatte, verliert im April seine ersten beiden: Sokrates Bukalis und Hartmut Schuler versperren ihm vorerst den direkten Weg in die Finalrunde. Und auch in der Onepointer Qualifikation zwischen 8 Spielern ist Hartmut sein Schicksal, sodass Ralf diesmal Bekanntschaft mit der 2nd Chance machen muss.

Dort befindet er sich in prominenter Gesellschaft, denn auch Matthias Strumpf, der bisher auf Platz 3 der Jahresrangliste liegt, Stefan Blancke, Jan Jacobowitz und Dankwart Plattner verpassen die Finalrundenqualifikation. Dankwart gewinnt diesmal immerhin zwei Vorrundenspiele und spielt sich anschließend bis ins Finale des Onepointer-Stechens, wo ihm aber Thomas Krüger den Platz in der Finalrunde wegschnappt.


Und auch in der 2nd Chance erreichen sie keinen Preisgeldplatz:

Stefan Blancke etwa gewinnt nur zwei Onepointer (mit einem davon beendet er das Turnier von Jan Jacobowitz), sodass er am nächsten Tag entscheidet, das Startgeld für den Berliner Frühling zu sparen.

James und Ilona Klein tragen ihr abschließendes Vorrundenmatch gegeneinander aus, bei dem sich James immerhin für das Stechen um den achten Startplatz in der Vorrunde qualifiziert. Ansonsten können sie außer einigen hoffentlich interessanten Erfahrungen bei der Berliner Meisterschaft nicht allzuviel gewinnen. Immerhin sind aber beide entscheidend daran beteiligt, den Berliner Vizemeister aus dem Turnier zu werfen – James gewinnt in der Vorrunde gegen Matthias und Ilona besiegt ihn dann in der Qualifikation für die 2nd Chance.

Ralf Sudbrak ist nach eigener Aussage eigentlich ein reiner Finalrundenspieler, der sich nicht immer voll motivieren kann, wenn es nicht mehr um den Turniersieg geht. Nachdem er in der Stechrunde um einen Finalplatz ausgeschieden ist, sieht das diesmal anscheinend anders aus: In den Runden gegen Ilona Klein und Peter Gaebler gibt er nur einen einzigen Punkt ab und trifft im Finale der 2nd Chance auf Hans Schwichow, der sich durch ähnlich glatte Siege gegen Dankwart Plattner und Hartmut Schuler für das Endspiel qualifiziert hat. Dort liegt Ralf bis zum 5:3 auf 7 Punkte vorn, muss dann aber doch Hans den Vortritt lassen. Ralf hat einmal mehr sehr solide gepunktet, auch wenn ihm ein zählbares Resultat erneut verwehrt geblieben ist. Dieses erspielt sich diesmal stattdessen Hans, herzlichen Glückwunsch!

Finalrunde

In der Finalrunde wird zunächst die Frage beantwortet, wer den Sidepool gewinnt, an dem diesmal víer Spieler beteiligt sind: Igor Kaplanski und Christian Plenz teilen ihn sich. Glückwunsch! Leider bedeutet das aber auch, dass im Viertelfinale für sie Endstation ist: Julian Becker und der Ranglistenerste Thomas Koch machen kurzen Prozess. Immerhin: Sowohl für Igor als auch für Christian bedeutet das Aprilturnier einen kleinen Fortschritt, nicht nur wegen des geteilten Sidepools: Zum ersten Mal in diesem Jahr waren sie diesmal in der Finalrunde. Und dementsprechend erreichen sie die bisher höchste Turnierpunktzahl für die Rangliste.

Apropos Rangliste: Thomas hat in der Vorrunde ein paar Punkte mehr geholt als Tilman und seinen Vorsprung virtuell ausgebaut. Doch nachdem Tilman in der Vorrunde nur gegen den Spieler Freilos klar gewinnen konnte, ansonsten 3 und 4 Punkte abgegeben hatte und gegen Thomas sogar klar verlor, zündet er jetzt den Turbo und besiegt Igor Bakunowizki mit 7:2. Einzig das Match zwischen Helmut Krausser und Thomas Krüger ist im Viertelfinale wirklich umkämpft. Es dauert neun Partien, bis Helmut den Sieger des Onepointerstechens eliminiert hat und ins Halbfinale eingezogen ist.

Wie immer steigt spätestens im Halbfinale die Spannung: Die Preisgeldplätze werden verteilt.  Diesmal haben es der Turnierverlauf und die Auslosung so gewollt, dass beide Turniersieger des Jahres noch dabei sind, die die Rangliste mit der Differenz von nur einem einzigen Punkt anführen. Und auch die Nr. 3 der Rangliste ist noch dabei. Diese, Helmut Krausser, trifft nun auf die Nummer 1, Thomas Koch. Besonders reizvoll: Es ist im dritten Turnier des Jahres bereits das vierte Aufeinandertreffen der beiden. Ihr allererstes Match des Jahres bestritten beide gegeneinander und die anderen beiden waren Finals: Im Februar gewann Helmut gegen Thomas die Second Chance, im März Thomas gegen Helmut das Turnier. Diemal also das Halbfinale: Hart umkämpft ist das 7-Punkte-Match: Helmut geht 2:0 und 4:2 in Führung, aber Thomas kann immer wieder ausgleichen und dann das Match drehen: Nach dem 7:4 steht er im Finale der Berliner Meisterschaft im April 2011! Die Bilanz 2012 gegen Helmut hat er durch seinen Sieg ausgeglichen. Und turnierübergreifend hat Thomas inzwischen neun Matches in Folge gewonnen! Es wird also ein hartes Match für seinen Endspielgegner.

Wer das sein wird, entscheidet sich zwischen Tilman Söhnchen und Julian Becker. Ihr Halbfinale wird allerdings zu einer wenig spektakulären Angelegenheit. Julian, der wie Igor Kaplanski und Christian Plenz zum ersten Mal in diesem Jahr die Finalrunde um den Turniersieg erreicht hat, wird von Tilman, der sich mittlerweile endgültig in Form gewürfelt zu haben scheint, unsanft mit 0:7 gestoppt.

Finale

Das Finale im April wird also zum Traumfinale – zumindest wenn man die bisherigen Ergebnisse vom Tilman Söhnchen und Thomas Koch und die daraus resultierende Rangliste der Berliner Meisterschaft zum Maßstab nimmt:

Aufeinander treffen  die beiden Ranglistenführenden, die ein einziger Punkt trennt. In der blauen Ecke: Der Ranglistenzweite. Sieger des Februarturniers. Topkandidat für den Most improved Player 2012. In der gelben Ecke: Der Ranglistenführende. Sieger der Berliner Meisterschaft im März. Seit 2011 ständiger Kandidat für Geldplätze.

Ein Finale auf Augenhöhe. Schwer zu sagen, wer hier der Favorit ist.

Gleich das erste Game bringt einen klassischen Partieverlauf: Thomas setzt zwei, dann drei gegnerische Checker auf die Bar, aber Tilman gelingt ein gut getimtes Backgame, bei dem er immer zwischen knapp 40% und gut 50% Gewinnchance behält. Die Entscheidung naht, als Thomas einen ungünstigen Pasch-4 würfelt, der seine Position etwas zerbröseln und die Schussgefahr steigen lässt. Dieser Schuss kommt im übernächsten Zug. Tilman doppelt zunächst auf den Doppelschuss und Thomas‘ mittlerweile ziemlich zerrupfte Position hin, trifft und hat ein 5-Punkt-Board. Nur einmal kann Thomas wieder einspielen ohne sofort wieder auf die Bar gesetzt zu werden, sodass er die Chance hat, durch eine 6 zu entkommen. Doch er nutzt die Chance nicht, sodass er am Ende froh sein kann, dass Tilman nicht noch einen zweiten herumstehenden Blot trifft und sogar Gammon gewinnt.

Dass Tilman etwas nervös und unsicher ist, zeigt sich in der zweiten Partie, als er übervorsichtig ein klares Take passt.

Doch zwei kurze Partien bringen ihn 4:1 in Führung. Anschließend verpasst Tilman zwar ein Doppel, aber er verliert weder den Markt, sodass er anschließend sein Versäumnis nachholen kann, noch die Partie. Thomas wird in ein Acepointgame gezwungen, bekommt nur indirekte Schüsse und verliert die Partie: 1:6

Das Glück, nach einem verpassten Doppel den Markt nicht zu verlieren, hat Thomas nicht, als er sich nun an die Aufholjagd macht. Bei 1:6 gewinnt er so nur einen Punkt (statt zwei oder vier zu gewinnen – oder zwei zu verlieren, hat Tilman doch immerhin noch über 40% Gewinnchance als Thomas hätte doppeln sollen.)

Das Gleiche passiert ihm, als er nur noch 5:6 zurückliegt.

Finale Thomas Koch (weiß) – Tilman Söhnchen (schwarz)
Spielstand 5:6 auf 9 Punkte.
Weiß am Wurf. Cube Action?

Was beim Stand von 6:5 für Thomas nicht einmal ein korrektes Doppel wäre, ist hier beim Stand von 5:6  und 4 away 3 away schon ein mega-klares Pass.  Denn so wie einerseits bei 5:6 über 35% Gammons Thomas zum Turniersieger machen würden, schlägt bei 6:5 andererseits zu Buche, dass Tilman hier seinerseits noch mehr als 35% Gewinnchance hat und die Gammons Thomas bei 6:5 nicht annähernd soviel bringen würden.

Wie auch immer: Einen Wurf später holt sich Thomas das Pass und einen Punkt ab. Es steht unentschieden!

Möglicherweise werden bei Tilman jetzt Erinnerungen an das Finale im Februar wach, als er selbst im Finale 1:8 gegen Matthias Strumpf zurückgelegen und noch gewonnen hatte. Jedenfalls wirkt er sichtlich unzufrieden und lässt sich teilweise auf Nebenkriegsschauplätze entführen. Wiederholt sich Geschichte, diesmal mit Tilman als Leidtragendem?

Es sieht fast so aus, als Thomas, mit einem Anker auf dem gegnerischen Barpunkt stehend, einen Schuss auf den gegnerischen Midpoint bekommt, diesen trifft, Tilman anschließend tanzt und dann herausgedoppelt wird. Zum ersten Mal in diesem Match ist Thomas in Führung: 7:6

Dieser Spielstand bedeutet, dass der Zurückliegende sehr früh doppeln kann und muss, wenn er einen Vorteil hat: Dieser Moment ist gekommen, als Tilman Thomas schlägt und dieser auf einem 3-Punkt-Board tanzt.

Finale Thomas Koch (weiß) – Tilman Söhnchen (schwarz)
Spielstand 7:6 auf 9 Punkte.
Schwarz am Wurf. Cube Action?

Zwar hat Thomas einen schönen Anker, zwar muss Tilman zunächst seine ziemlich offene Position aufräumen und hat auch noch einen Checker auf dem 24-Punkt. Aber ca. 64% Siegchance für Tilman und 20% Gammons machen ein Doppel zwingend und Thomas steht vor der Alternative, zu versuchen, als Außenseiter die Chance von 36% zu nutzen, mit der Gammongefahr immer im Hinterkopf. Oder diese Partie fahren zu lassen und bei 7:7 in der entscheidenden Partie zu versuchen, das Match zu gewinnen. Er entscheidet sich für Letzteres und die Analyse zeigt, dass das Doppel so getimt war, dass Thomas weder mit der Annahme noch mit der Ablehnung einen Fehler machen konnte. Fifty-fifty.

Das entscheidende Game beginnt vielversprechend für Thomas: Nach einigen Zügen ist sein Anker weiter vorgerückt als der von Tilman, dem langsam aber sicher die Luft zum Atmen abgeschnürt wird, sodass Thomas‘ Siegchance zunächst konstant bei über 60% steht und sich schließlich bis auf 75% steigert. Tilman muss auf einen Schuss und einen Treffer hoffen, denn im Lauf ist er aussichtslos im Rückstand. Aber er hat mittlerweile ein Fünfpunktboard. Das ist seine Chance.

Und wie das Match begonnen hat, endet es auch: Ein Pasch sollte beim Bearin ja eigentlich helfen, sollte die beiden Punkte, die noch in Thomas´ Außenfeld stehen, lösen und die verbliebenen Steine ins eigene Board schaffen können. Doch mit dem Pasch-5, den Thomas nun würfelt, muss er Steine auf den 1-Punkt spielen, was ihn einen Aufsetzpunkt kostet und eine fiese Lücke in sein Homeboard reißt. Der Anfang vom Ende. Fünfen und Sechsen werden jetzt gefährlich. Eine Fünf kann Thomas noch ziehen ohne einen Schuss zu lassen, doch dann würfelt er 65 und muss offen in seinem Homeboard auf der 2 schlagen.

Finale Thomas Koch (weiß) – Tilman Söhnchen (schwarz)
Spielstand 7:7 auf 9 Punkte.


„Decision Time!“ stellt Thomas trocken fest, als er offen schlägt, und er liegt damit noch richtiger als er zu dem Zeitpunkt vielleicht weiß: Die Chancen sind nicht nur wieder ziemlich genau ausgeglichen. Offen bleiben die Partie und damit das Match nämlich nur, wenn Tilman nun nicht tanzt, aber auch nicht schlagen kann. Doch das ist nur nach 4 von 36 Würfen der Fall. Die anderen 32 führen zu einer Vorentscheidung für den Einen oder für den Anderen. 16 dieser 32 Würfe lassen Tilman schlagen und machen den Ranglistenzweiten sehr wahrscheinlich zum Turniersieger und zum neuen Ranglistenersten, 16 Würfe aber lassen ihn tanzen und ebenso wahrscheinlich verlieren. Dann hätte der Titelverteidiger sein zweites Turnier in Folge gewonnen und Thomas seine Führung in der Jahresrangliste ausgebaut.

Konzentration… Spannung… Tusch… Stille im Turniersaal unter den zahlreichen Kiebitzen. Tilman schüttelt den Würfel und wirft – eine 42. Er kann schlagen!

In der Folge landen zwei weitere Steine von Thomas auf der Bar, Tilman kann seinen letzten offenen Homeboardpunkt schließen und das Matchprotokoll zeigt für Thomas Wurf für Wurf „Cannot move“. Seine letzte theoretische Chance liegt nun sogar darin, drei Steine auf der Bar stehen zu haben und recht lange auf einen Schuss warten zu können, der vielleicht kommt, wenn Tilman sein Homeboard öffnen und ungünstig würfelnd einen Schuss geben muss. Aber diese Chance kommt nicht mehr. Nach zwölf größtenteils sehr umkämpften Partien reicht Thomas Koch einem abgekämpften Tilman Söhnchen die Hand und gratuliert ihm zum zweiten Turniersieg in diesem Jahr und zur Ranglistenführung. Thomas hat seinerseits gezeigt, dass in diesem Jahr verstärkt mit ihm zu rechnen sein wird; drei Finalteilnahmen bei drei Turnieren, eines in der 2nd Chance und zwei Turnierfinals sprechen da ebenso für sich wie ein Turniersieg.

Das Matchfile des Finals, das hier zu finden ist, zeigt, dass sicher beide besser spielen können und beide haben das in Turnierfinals auch schon getan. Aber ein Performance Rating von 5,51 für Tilman und von 6,46 für Thomas ist dennoch sehr ordentlich!

Herzlichen Glücwunsch an Tilman Söhnchen, aber ebenso an seinen unterlegenen Finalpartner! Wir sind gespannt, wie sich das Jahr für beide weiterentwickelt und ob ein weiterer Spieler noch in den Kampf um die Ranglistenführung eingreifen kann.

Berliner Frühling

Am Tag nach der Berliner Meisterschaft fand am Sonntag der Berliner Frühling statt, eine Turnierserie, die wir letztes Jahr mit großem Erfolg eingeführt hatten. Dieses Jahr gab es erstmal eine kleine Ernüchterung: Nachdem die Rückmeldungen schleppend verlaufen waren, einige Interessenten nicht in der Stadt waren oder die Berliner Meisterschaft des Vortags für einige Teilnehmer vielleicht nicht nach Wunsch verlaufen waren, tröpfelten die Backgammonspieler für das erste Jahreszeitenturnier des Jahres dementsprechend sparsam ein, einige entschieden sich wieder zu gehen, andere kamen erst nach Turnierbeginn als Kiebitz vorbei. Aber mithilfe einer erfreulichen Kompromissbereitschaft der Teilnehmer, die sich auf eine Verlegung um eine Stunde und eine Startgeldreduzierung einigten und der Turnierleitung, die auf die Erhebung der Registration verzichtete, fand sich am Ende ein wenn auch leicht dezimiertes Starterfeld zusammen und das Turnier konnte an den Start gehen!

Früh deutete sich an, dass Peer Röwer sich eine Menge vorgenommen hatte. Wie immer zeichnete sich sein Spiel durch angstfreies Checkerplay, agressive Doppler und hohe Qualität aus. Ralf Sudbrak, der das Vortagesturnier mitgespielt hatte, war seinem Gegner und den Würfen machtlos ausgeliefert und machte keinen Stich.

Und auch gegen den Berliner Meister Christian Plenz schien Peer kurzen Prozess machen zu wollen und ging schnell deutlich in Führung. Doch Christian besann sich auf seine kämpferischen Qualitäten und nahm sein Herz in beide Hände indem er beim Stand von 2:4 mit zwei Steinen auf der Bar doppelte – ein korrektes und tolles Doppel, das gewiss nicht jeder Spieler gegeben hätte. So schaffte Christian den Ausgleich. Anschließend aber ließ sich der souverän seinen Part herunterspielende Peer die Butter nicht mehr vom Brot nehmen, gewann die nächsten beiden Partien und stand vorzeitig im Finale.

Dort traf er auf einen Spieler, der sich aus anderen Gründen ebenfalls viel vorgenommen hatte: Matthias Strumpf hatte am Tag zuvor ein unglückliches Monatsturnier bei der Berliner Meisterschaft gespielt und brannte auf Wiedergutmachung. Igor Kaplanski konnte gegen ihn genausowenig ausrichten wie Gerhard Zerbin, sodass Matthias ebenfalls im Finale stand.

Rechtzeitig zum Finale waren auch eine Menge Kiebitze erschienen, die dem Match zwischen Peer Röwer und Matthias Strumpf einen würdigen Rahmen gaben. Darunter Katja Sommero, die noch im alten Jahrtausend ein Stammgast auf Backgammonturnieren gewesen war und sich nach langer Zeit mal wieder sehen ließ. Herzlich willkommen zurück, wir hoffen, dich in Zukunft wieder häufiger zu sehen, gern auch als Backgammonspielerin und Turnierteilnehmerin!

Zwischen den Finalisten Peer und Matthias entwickelte sich unter den Augen der Kiebitze ein spektakuläres und sehenswertes Finale, das ebenso wie das Match zwischen Peer und Christian in unserem Match Archiv zu finden ist.

Im ersten Game hatte es bereits eine Verdopplung durch Matthias und ein Redoppel durch Peer gegeben, als es im Bearoff zu einer Fünfwurf-Position kam und Matthias darüber nachdachte, den Würfel auf 8 zu drehen und dem sichtlich frustrierten Peer vor die Nase zu setzen. Eine Verdopplung, die Peer womöglich angenommen hätte, um nicht mit 0:4 schon weit im Rückstand liegen. Doch Matthias hatte zwar die verbliebenen Checker richtig gezählt – zehn auf seiner Seite, neun bei seinem Gegner – aber in einem Blackout nicht berücksichtigt, dass er klar im Vorteil war, da er Anwurf hatte und überdies Peers Verteilung schlecht war. Man sieht: Auch sehr guten und hoch dekorierten Spielern können solche einfachen Fehler passieren.

Auch einen Wurf später passierte Matthias dieser Lapsus und Peer wurde so vor einer unangenehmen Entscheidung bewahrt. Denn als Matthias sein Fehler auffiel, war das Pass dann sonnenklar. Und er schien seinen Erfolgsweg ohne Umwege fortsetzen zu können, als Peer die nächste Verdopplung wieder passte.

Nun war Peers Kampfgeist aber endgültig wiederbelebt. 0:5 zurückliegend verdoppelte er bereits vor seinem vierten Wurf. Matthias nahm korrekterweise an, obwohl drei Blots in der Gegend herumstanden und Peer schon zu einem so frühen Zeitpunkt eine Menge Angriffspotential in Stellung gebracht hatte. In der Nachwurfanalyse rächte sich das Take jedoch, denn nachdem Peer mit einem Pasch zwei gegnerische Steine auf die Bar gesetzt hatte, holte er weitere Checker ab, sodass Matthias bald mit 5 Steinen auf dem 24-Punkt hinter einer Sechspunkt-Prime und mit einem weiteren auf der Bar stand. Im Bearoff peitschte Peer dann das Spiel auf Backgammon und wurde durch den dreifachen Spielwert belohnt. Das Match war vorerst gedreht und Peer 6:5 in Führung!

Nicht mehr ganz so spektakulär, aber genauso interessant ging das Finale weiter.

In dieser sehr interessanten Position

Finale Matthias Strumpf (weiß) – Peer Röwer (schwarz)
Spielstand 5:6 auf 9 Punkte.
Weiß am Wurf. Cube Action?

und einen Wurf später

Finale Matthias Strumpf (weiß) – Peer Röwer (schwarz)
Spielstand 5:6 auf 9 Punkte.
Weiß am Wurf. Cube Action?

stellte sich zweimal die Frage nach einem Redoppel für Matthias (Weiß), die er in beiden Fällen verneinte.

Interessanterweise ist die korrekte Cube Action in der späteren Position schon ein Redoppel – und ein Pass! Und in der ersten Position ist bereits ein Redoppel angezeigt. Das lässt nur den Schluss zu, dass in dieser Postion, bei diesem Matchscore, nicht die 6 der Marketloser ist, der die Partie vorzuentscheiden droht und vor dem man doppeln sollte, sondern bereits die 1, die den Gegner so unter Druck setzt, dass er passen muss. Der Grund dafür ist im Spielstand zu suchen.

Denn liegt man mit 4 weg 3 weg zurück, also wie in diesem Fall beispielsweise mit 5:6 auf 9 Punkte, und hat eine Verdopplung angenommen, dann kann und muss man bereit sein, sehr früh den Dopplerwürfel zurückzugeben, auch wie in diesem Fall als nur knapper Favorit (in diesem Fall stehen die Gewinnchancen gerade mal 52,5% zu 47,5% für Matthias), teilweise sogar als Außenseiter. Matthias jedoch hatte wohl einen Tag, an dem ihm die nötige Konzentration und die nötige Aggressivität am Verdopplungswürfel fehlte und so erntete er nur ein klares Pass, als er doppelte, nachdem er mit einer 6 entkommen war.

Auch in der nächsten Partie war es natürlich wieder Peer, der doppelte. Als er vor Matthias‘ Anker auf dem 22-Punkt eine Sechspunkt-Prime gebaut hatte und Matthias‘  Position im eigenen Homeboard schon am Zerbröseln war, sah es so aus, als würde Peer mit über 80% Gewinnwahrscheinlichkeit sicher dem Sieg beim Berliner Frühling entgegenwürfeln und -spielen. Doch weit gefehlt: Denn eine Chance hat der Underdog in solcherlei Positionen noch: Den Glückspasch. Als Peer nämlich seine Prime aufzulösen begann und seinem Gegner gezwungenermaßen ein Schlupfloch mit der 4 gab, fackelte Matthias nicht lang und warf bei der zweiten Gelegenheit einen Pasch-4 – alles wieder offen!

Im Bearoff ließ Matthias dann einen Pasch-5 folgen und damit waren Peers Moral  und vor allem seine Hoffnung auf ein bisschen ausgleichendes Würfelglück dahin, ihm gelang es nicht mehr, mit hohen Paschen zu kontern.

Damit heißt der Sieger des Berliner Frühlings 2012 Matthias Strumpf! Herzlichen Glückwunsch! Kompliment aber auch zu Platz 2 und überzeugenden Performances an Peer Röwer!

Unser herzlicher Dank geht an die Teilnehmer für die Turnierteilnahme auch unter suboptimalen Umständen und die zahlreichen Kiebitze beim Finale! Wir hoffen, das Turnier hat Euch gefallen.

Beim nächsten Mal hoffen wir auf eine etwas höhere Beteiligung und werden einige Maßnahmen ergreifen, um das nächste Jahreszeitenturnier wieder zu einem Erfolg zu machen!

Rangliste

In der Jahreswertung der Berliner Meisterschaft liegen Tilman und Thomas nach wie vor nur um einen Wimpernschlag getrennt an der Spitze. Lag vor dem Turnier noch Thomas einen Punkt vor Tilman in Führung, hat nun dieser mit 118,5 Punkten die Ranglistenführung übernommen, anderthalb Punkte vor Thomas.

Mit einem Abstand von 20 Punkten folgt Helmut Krausser auf Platz 3, der mit einem Turnierfinale, einem Halbfinale und dem Gewinn der 2nd Chance bisher ebenfalls ein herausragendes Turnierjahr spielt.

Dahinter haben Ralf Sudbrak und Matthias Strumpf etwas an Boden verloren.  Mit weiteren 20 Punkten Abstand folgen sie punktgleich auf Platz 4.

In die Gänge scheint langsam der Berliner Meister Christian Plenz zu kommen. Mit 55 Punkten hat er den Anschluss an die besten acht der Rangliste geschafft, die am Ende des Jahres den Berliner Meister ausspielen werden.

Das Turnierergebnis vom April 2012 spiegelt sich auch in der ewigen Berliner Liste  auf ELO-Basis:

Tilman Söhnchen hat durch das letzte Turnier 22,2 Punkte gutgemacht und endlich die Marke von 1500 Punkten geschafft, die er durch einige unglückliche Ergebnisse in den Vorjahren schon aus den Augen verloren zu haben schien. Doch durch die letzten drei Turniere hat Tilman insgesamt mehr als 55 Punkte hinzugewonnen. Ähnlich erfolgreich verläuft das Turnierjahr bisher für Thomas Koch und Helmut Krausser: Thomas hat seit Jahresbeginn knapp 50 Punkte gewonnen und durch das Aprilturnier, das ihm ebenfalls mehr als 20 Punkte auf das ELO-Konto gespült hat, einen Sprung auf Platz 16 gemacht. 45 Punkte hat auch Helmut Krausser seit Jahresbeginn gewonnen und dementsprechend ebenfalls einen großen Sprung in der ELO-Rangliste gemacht.

An der Spitze hat es unter den Top Ten keine nenennswerten Veränderungen gegeben. Einzig Peer Röwer und Andrea Wirth sind um je einen Platz nach oben gespült worden, weil Stefan Blancke an Boden und an Punkten eingebüßt hat. Matthias Strumpf war am Samstag ebenfalls um zwei Plätze zurückgefallen, durch seinen Sieg am Folgetag beim Berliner Frühling konnte er sein schwaches Abschneiden am Vortag aber kompensieren und Platz 5 in der ewigen Liste zurückerobern.

Resümee

Das war der erste Doppelspieltag von Berlin Backgammon in der Saison 2012 mit dem Aprilturnier der Berliner Meisterschaft 2012 mit dem Sieg von Tilman Söhnchen vor Thomas Koch und den Halbfinalisten Julian Becker und Helmut Krausser sowie dem Sieg von Hans Schwichow in der 2nd Chance. Und dem Berliner Frühling, den Matthias Strumpf vor Peer Röwer gewinnen konnte.

Wir gratulieren allen Preisträgern und danken allen Teilnehmern für die Teilnahme an den Turnieren sowie den Kiebitzen, die auch diesmal für zusätzliches Leben in der Bude gesorgt haben. Wir hoffen dass Ihr alle wiederkommt!

Besonders hoffen wir, dass es unseren Turnierneulingen Ilona Klein und James Klein gefallen hat und sie die Berliner Meisterschaft im Backgammon wieder einmal beehren werden!

Wir freuen uns jedenfalls auf das nächste Monatsturnier im Mai!

Herzliche Grüße

Daniel Kotrc & Christian Plenz

Berliner Meisterschaft:

Finalrunde:
1. Tilman Söhchen
2. Thomas Koch
3. Julian Becker und Helmut Krausser

2nd Chance
1. Hans Schwichow

Berliner Frühling:

1. Matthias Strumpf
2. Peer Röwer

Ein statistischer Überblick über die Ergebnisse der Berliner Meisterschaft in Vorrunde, Second Chance und Finalrunde, jeweils ab dem Viertelfinale, ist hier zu finden.

Ein statistischer Überblick über den Berliner Frühling findet sich hier.

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