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Halbzeit

18. Juni 2012

Turnierbericht Berliner Meisterschaft Juni 2012

Genau 20 Spieler tröpfelten zum Juniturnier der diesjährigen Meisterschaft im Backgammon im Café Kleisther ein und ließen sich, teilweise recht spät, in die Teilnehmerliste eintragen. Und so hatten wir gegenüber dem kleinen Einbruch beim Maiturnier wieder drei Spieler mehr, die um Siege, Ranglistenpunkte und die fünf Geldpreise in Konkurrenz traten.

Eventuell spielte uns dabei auch die Zeit, genau gesagt die Jahreszeit, in die Karten. Denn das Wetter wird immer sommerlicher, zum ersten Mal konnten einige Matches im Freien ausgetragen werden. Das war umso angenehmer, als ab dem späten Nachmittag im Spiellokal der Fußball gegen Backgammon in Konkurrenz trat und seinerseits für regen Zulauf sorgte. Doch das strategische Brettspiel mit Glücksfaktor konnte sich gegen das strategische Ballspiel mit Glücksfaktor behaupten und einmal mehr all das in die Waagschale werfen, was Backgammon so schön, so spannend und manchmal auch so frustrierend macht

Unter den 20 Teilnehmern waren natürlich die Spieler, die bisher das Jahr geprägt hatten und sich an der Ranglistenspitze eingenistet hatten, allen voran die drei Ranglistenführenden Tilman Söhnchen, Thomas Koch und Helmut Krausser.

Berliner Meisterschaft im Juni

Darunter war mit Jochen Landvogt aber auch ein Neuling, der erst eine Woche zuvor beim Amateurturnier seinen Einstand gegeben hatte und nun den Sprung ins kalte Wasser wagte. Kompliment, wir heißen ihn herzlich bei Berlin Backgammon willkommen!

Mit Gerhard Zerbin und Carsten Wenderdel hatten sich auch zwei bekannte Gesichter wieder blicken lassen, die sich in letzter Zeit leider etwas rar gemacht hatten. Ein Jahr nach meiner letzten Turnierteilnahme hatte auch ich wieder einmal beschlossen, mich mit der versammelten hochkarätigen Konkurrenz (spielerisch) anzulegen.

Und mit Martin Birkhahn aus Schwerin und Peter van de Bruck aus Münster wollte auch wieder hochkarätige auswärtige Konkurrenz die Berliner Spieler das Fürchten lehren.

Vorrunde

Zum Turnierverlauf:

Erfreulich, dass in der Vorrunde kein Spieler ohne Sieg bleibt, auch wenn einige keine Chance haben, in der Finalrunde um den Turniersieg zu spielen und es nur für die 2nd Chance reicht. Thomas Krüger etwa, der Titelverteidiger aus dem Maiturnier, muss sich vorerst damit trösten, seinen einzigen Sieg gegen den Führenden der Berliner Jahresrangliste, Tilman Söhnchen erkämpft zu haben. Nicht viel besser als Thomas Krüger ergeht es in der Vorrunde Thomas Koch. Dem Ranglistenzweiten wird von Peter van de Bruck und Dankwart Plattner die Grenzen aufgezeigt, und nach einem Sieg gegen Hamid Akbari zieht er im letzten Vorrundenmatch gegen Christian Plenz den Kürzeren und muss den Notausgang in die 2nd Chance nehmen. Hamid Akbari wiederum, immerhin Siebter der aktuellen Rangliste, gewinnt in der ersten Runde gegen Tim Schuettler, und muss anschließend dreimal seinem Gegner gratulieren. Tim holt seinen einzigen Siegpunkt der Vorrunde in der zweiten Runde gegen Gerhard Zerbin, und Gerhard muss gar bis zur letzten Runde auf seinen Vorrundensieg warten – dann begegnet er dem Berliner Meister von 2010, und das bin ja ich…

Guido Weidner, der spätere Halbfinalist der 2nd Chance

… Meine persönliche Erkenntnis aus der Vorrunde: Ich sollte vielleicht einmal meine Cube Decisions beim Spielstand von 0:0 überdenken: Denn in den ersten drei Matches nehme ich drei Initialverdopplungen an – und dreimal liege ich anschließend 0:4 zurück. Gegen Peter van de Bruck und Dankwart Plattner gehe ich daraufhin sang-, klang- und weitgehend punktlos unter, nur gegen Helmut Krausser gelingt mir mir mit viel Glück und wahrscheinlich auch etwas Geschick eine erstaunliche Wende und der Ehrenpunkt in der Vorrunde. Und auch gegen Gerhard Zerbin verliere ich gleich ein gedoppeltes Gammon – da steht es allerdings schon 0:1 und auch dieses Match ist gelaufen.

An der Spitze der Vorrundentabelle ziehen derweil Peter van de Bruck und Martin Birkhahn souverän ihre Kreise. Peter kann nach mir und Thomas Koch auch Igor Kaplanski in die Schranken verweisen und steht nach drei Runden genauso schon als Teilnehmer der Finalrunde fest wie Martin, der nur gegen Ralf Sudbrak Probleme hat und nach Rückstand über DMP gehen muss.

In der Spitzenbegegnung der 4. Runde, bei der wie im Schweizer System punktgleiche Spieler gegeneinander gelost werden, treffen die beiden auswärtigen Cracks nun direkt aufeinander. Hier liegt Martin bereits 1:3 hinten, bevor er Peter noch 4 Punkte abknöpft und die Vorrunde mit 4 Siegen aus 4 Matches auf Platz 1 abschließt. Ihren dritten Sieg erspielen sich in der letzten Runde auch Helmut Krausser, Matthias Strumpf und Dankwart Plattner, wodurch sie nicht nur die Finalrunde direkt erreichen, sondern schon jetzt abzusehen ist, dass sie ihre Position im Vorderfeld der Berliner Rangliste 2012 mindestens behaupten können.

Jochen bei seinem Sieg gegen Matthias

Rookie Jochen scheint zunächst Lehrgeld zahlen zu müssen und verliert seine ersten beiden Matches gegen Guido Weidner und Hartmut Schuler. Doch anschließend gewinnt er gegen den Berliner Vizemeister Matthias Strumpf und gegen Tim Schuettler und hat mit der ausgeglichenen Bilanz von 2:2 noch eine Chance auf die Finalrunde! Christian Plenz hat in den ersten beiden Runden mit Tilman und Matthias hammerharte Gegner und auch nicht das nötige Glück – auch für ihn heißt es nach zwei Runden 0:2. Doch nach diesen beiden Niederlagen zieht er sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf, gewinnt die weiteren beiden Vorrundenmatches und rettet sich ebenfalls in die Stechrunde von Onepointern.

Stechen

Dort müssen außerdem sieben weitere Spieler ihre Chance suchen, noch in der Finalrunde um den Turniersieg spielen zu können. Einige, neben Jochen und Christian auch Ralf Sudbrak, Igor Kaplanski und Guido Weidner, werden das nach dem Vorrundenverlauf als Chance ansehen. Denn ihnen gelingt erst im letzten Match der zweite Punkt, der sie ins Stechen bringt. Andere aber hatten nach drei Matches schon zweimal gewonnen und die Hoffnung, sich durch einen Sieg in der letzten Runde direkt für die Finalrunde zu qualifizieren. Aber Carsten Wenderdel, Hartmut Schuler und Rochus Wegener verlieren gegen Helmut Krausser, Dankwart Plattner und Matthias Strumpf ihre direkten Duelle um die direkte Finalrundenqualifikation. Und auch für die die Nr. 1 der Rangliste, läuft es nicht von selbst: Tilman Söhnchen verliert gegen Ralf Sudbrak und muss diesmal um die Finalrunde fürchten, weil auch er sich in das ungewisse Getümmel der Stechrunden begeben muss.

Positionsanalyse mit Peter, Matthias und Christian

Dort konkurriert diesmal fast das halbe Feld um die Plätze in der Finalrunde, die Martin, Peter, Matthias, Helmut und Dankwart noch übrig gelassen haben:

Neun Spieler haben nach der Vorrunde die ausgeglichene Bilanz von zwei Siegen und zwei Niederlagen. Und wie im Mai werden drei Spieler durch die zwei Stechrunden durchkommen. Während Igor Kaplanski zwei Siege braucht, um sich für die Finalrunde zu qualifizieren, müssen Ralf Sudbrak und Carsten Wenderdel nur einen Onepointer gewinnen, dann stehen auch sie in der Finalrunde.

Die anderen sechs Spieler müssen ihre zweite Chance (eigentlich ist es ja ihre dritte) in der 2nd Chance suchen. Darunter sind auch Christian und Jochen, deren Aufholjagd nicht mit einem Finlarundenplatz belohnt wird. Und auch Tilman muss versuchen, die 2nd Chance zu gewinnen, um noch einen prämierten Platz zu ergattern. Oder zumindest noch ein paar Punkte für die Rangliste, um seine Führung zu behalten.

2nd Chance

Zu den sechs Spielern, die im Stechen für die Finalrunde auf der Strecke geblieben sind, kommen im Viertelfinale der 2nd Chance noch zwei Spieler, die in der Vorrunde nur einen Punkt geholt hatten:

Thomas Krüger beendet zunächst in einem Onepointer das Turnier für seinen Namensvetter, den Ranglistenzweiten Thomas Koch. Und anschließend nimmt er sich zum zweiten Mal den Ranglistenführenden vor, der erst zum zweiten Mal in diesem Jahr nicht die Finalrunde und dort das Halbfinale des Turniers erreicht hat: Tilman kämpft sich zwar nach einem 0:4 wieder heran, aber den entscheidenden Punkt bei Double Match Point holt sich Thomas und schickt damit fast die gesamte Ranglistenspitze auf den Boden der Tatsachen und ins Wochenende. Gegen Christian Plenz ist allerdings im Halbfinale der 2nd Chance auch für den Titelverteidiger Endstation.

Nachdem ich in der Vorrunde nicht gerade von Erfolgserlebnissen und vom Glück verfolgt gewesen war, gewinne ich im Stechen gegen Hamid Akbari einen Onepointer, bei dem das Pendel so oft von einem Extrem zum anderen schwingt, dass er mir in seiner epischen Länge und mit seinen vielen Swings am Ende vorkommt, wie ein Marathonmatch. Anschließend kann ich mich gegen Jochen Landvogt und Guido Weidner durchsetzen und stehe im Finale der 2nd Chance gegen Christian Plenz.

Das Finale kann erst weit nach Mitternacht in der benachbarten Zoulou Bar ausgetragen werden, da Christian und ich noch benötigt werden, um das Turnierfinale mitzuschreiben. Ralf Sudbrak macht noch ein Foto für den Turnierbericht, bevor auch er als Letzter die Heimfahrt antritt. Zwei Präzisionswürfel dienen als Spielstandsanzeiger. Als Kiebitze erscheinen hin und wieder Alam Böhmer, der Betreiber des Café Kleisther und der Zoulou Bar, und Stefan, der uns während des Turniers im Kleisther bedient hatte.

Christian Plenz bei seinem Sieg gegen Daniel Kotrc im Finale der 2nd Chance

Eigentlich ist es schade, dass unser kleines Finale ansonsten keine Kiebitze mehr hat, denn der Matchverlauf ist ziemlich spektakulär. Nachdem Christian mit 4:1 auf 7 Punkte in Führung gehen kann, verdopple ich anschließend früh und Christian wird in ein Backgame mit 9 Steinen auf 4 Ankern gedrängt.

Lange kann Christian seine Chancen in der Partie intakt halten. Aber dann wird sein Timing durch einige hohe Pasche zerstört und Christian muss ein gedoppeltes Gammon hinnehmen: 4:5.

Anschließend gewinnt Christian wieder zum 6:5. In der Crawfordpartie werde ich schon im dritten Wurf mit folgender interessanten Entscheidung konfrontiert: Mit der 6-4 den Außenfeldpunkt auf der 14 für einen kleinen, aber eindeutigen Vorteil machen oder mit dem besseren Homeboard auf dem 3-Punkt offen schlagen?

Meine Entscheidung zu schlagen erweist sich zum Glück als klar richtig, auch wenn sich der richtige Zug bekanntlich nicht immer auszahlt: Christian kann mit seinem Backchecker entkommen und in ein sehr knappes und spannendes Rennen einleiten. Dabei sehe ich zunächst wie der Sieger aus, aber als Christian im letzten Wurf einen Pasch braucht, würfelt er einen Pasch-5, und der Berliner Meister gewinnt im Morgengrauen das Finale der 2nd Chance mit 7:5 – herzlichen Glückwunsch!

Christian zeigt den Schlusspasch, der das Finale der 2nd Chance entschieden hat

Finalrunde

Um die Wurst geht es diesmal früher als sonst. Die Finalrunde beginnt schon gegen 19 Uhr, sodass, wer sich für Fußball interessiert, ab kurz vor 9 verfolgen kann, wie die deutsche Mannschaft in einem spannenden Match Portugal niederhält. Da sind beim Backgammon auch schon einige Entscheidungen gefallen:

Ralf Sudbrak liegt im Viertelfinale gegen Matthias Strumpf bereits 0:4 auf 7 Punkte zurück. Aber Ralf ist dafür bekannt, nie aufzugeben und auch gegen starke Gegner sein Herz in beide Hände zu nehmen, und holt zunächst diesen Rückstand auf. Und auch, als Matthias wieder in Führung geht und bei 6:4 zwei Matchbälle hat, lässt Ralf nicht locker und dreht das Match zum 7:6. Ralf steht zum ersten Mal in diesem Jahr im Halbfinale und hat einen Preisgeldplatz sicher.

Im Match zwischen Dankwart Plattner und Igor Kaplanski entscheidet sich nicht nur, wer sich den zweiten Halbfinalplatz sichert und den zweiten Geldplatz der Finalrunde belegt. Sondern auch, wer seine Position unter den Top Ten der Jahreswertung ausbauen und einem Startplatz beim Ranglistencup der besten acht näher kommen kann: Dabei bestätigt sich der aktuelle Trend, denn während Dankwart im Aufschwung ist und im Mai das Turnierfinale erreicht hat, spielt Igor seit längerer Zeit vergeblich einem Spitzenergebnis und einem Geldplatz hinterher. So ist es auch diesmal: Igor kämpft zwar hartnäckig und holt einen 0:4 Rückstand auf. Aber im Gegensatz zu Ralf muss er anschließend klein beigeben.

Das neue Flipchart mit der Ergebnisübersicht für alle Spieler

Auch Helmut Krausser kann gegen Carsten Wenderdel gleich im ersten Game 4:0 in Führung gehen. Aber im Gegensatz zu Matthias und Dankwart transportiert er seinen Vosprung bis ins Crawford Game. Carsten kann bei seinem ersten Turnierauftritt 2012 zwar wieder auf 3:6 herankommen, aber damit hat er sein Pulver verschossen, während Helmut einmal mehr das Halbfinale erreicht.

Schließlich will es die Auslosung, dass mit Martin Birkhahn und Peter van de Bruck die beiden dominierenden Spieler der Vorrunde im Viertelfinale wieder aufeinandertreffen. Und diesmal kann sich Peter für seine Vorrundenniederlage revanchieren. Martin macht den Punkt zum 1:1, danach aber gewinnt Peter eine Partie nach der anderen und steht nach dem 7:1 im Halbfinale, wo er die auswärtigen Spieler gegen drei Berliner Spieler vertreten wird.

Dort bekommt es Peter mit Helmut Krausser zu tun, der sein zweites Finale erreichen und seine in diesem Jahr ansteigende Formkurve mit dem ersten Turniersieg krönen will. Und tatsächlich kann Helmut nach einem frühen Rückstand in Führung gehen. Bei einem 5:1 Vorsprung auf 7 Punkte beträgt seine Siegchance gegen den Rivalen etwa 80%. Doch Peter kämpft sich wieder heran, 5:5 und DMP. Das entscheidende Game nimmt eine dramatische Entwicklung, als Peter schon 12 Steine ausgespielt hat, aber einen Schuss lassen muss, den Helmut trifft.

In der entscheidenden Phase des spannenden Halbfinals zwischen Peter und Helmut kiebitzen Guido, Tilman, Jochen und Christian

Anschließend muss Peter auf das Glück hoffen, mit dem geschlagenen Stein einzuspielen, hoch zu würfeln und seinen Backchecker irgendwie schadlos durch die feindlichen Reihen zu manövrieren. Und in der Zwischenzeit keine ungünstige 1 werfen, die Peter zwingen könnte, seinen Anker auf der 2 aufzulösen und seinem Gegner einen Doppelschuss von der Bar zu geben wie beim Coup Classique.

Im Gegenzug muss Helmut versuchen, den geschlagenen Stein festzuhalten und sich im Außenfeld so zu postieren, dass er einen Ausbruchsversuch kontern kann um diesen Stein weiter und weiter festzuhalten, am besten, bis dieser hinter einer Sechspunktprime oder gegen ein geschlossenes Board auf der Bar steht. Eine der anspruchsvollsten Aufgaben im Backgammon.

Und parallel darauf hoffen, dass Peter einmal, wenn er in Helmuts Heimfeld hinter einer Prime steht, eine 1 wirft und einen Doppelschuss geben muss.

Tatsächlich wirft Peter gar eine 2-1 von der Bar und muss mit diesem Horrorshake den eigenen Zweierpunkt brechen und einen Doppelschuss geben…

… aber Helmut verfehlt und wirft 6-4.

Das solide und naheliegende  b/18, 12/8, das Helmut in dieser Situation zieht, ist in dieser Situation ein kleiner Fehler, tatsächlich hätte Helmut auf Ganze gehen und mit 6/2* in seinem Heimfeld offen und mit zwei Blots schlagen sollen. Aber welcher Spieler hat solche Züge – erst recht unter dem Stress einer entscheidenden Phase in Match und Turnier, und in Zeitnot – im Repertoire?

Wie auch immer: Helmut trifft wenig später auch einen zweiten Doppelschuss von der Bar nicht, als Peter mit 6-3 rausziehen und schlagen muss, sondern wirft einen Pasch-4, mit dem er nicht nur keinen der beiden Blots in Peters Heimfeld trifft, sondern noch nicht einmal den Einzelkämpfer im Außenfeld. Anschließend wirft Peter nun eine 65, hüpft humorlos über Helmut Steine im Außenboard und das Match ist gelaufen – Peter van de Bruck steht im Finale!

Sein Gegner wird zwischen dem 8. und dem 10. der Jahreswertung ermittelt. Für Ralf, der beim Maiturnier gefehlt hatte, geht es darum, wieder den Anschluss an die Spitzengruppe der Jahreswertung herzustellen, für Dankwart darum, zum ersten Mal Kontakt zu den vorderen Plätzen der Rangliste zu bekommen. Und für beide natürlich vor allem um das Turnierfinale.

So knapp sie in der Rangliste beieinander liegen, so knapp wird das Match zwischen Ralf und Dankwart nicht. Von Anfang an führt Dankwart, Ralf verkürzt auf 2:4, aber danach zieht Dankwart wieder seine Bahn und siegt letztendlich deutlich, womit er sein zweites Turnierfinale in Folge erreicht!

Dankwart und Ralf bei ihrem Halbfinale

Ralf und Helmut sind zwar am Erreichen des Turnierfinals gescheitert. Aber sie belegen ex aequo den dritten Turnierplatz und haben beide ihre guten Leistungen in diesem Jahr bestätigt:

Ralf hat einmal mehr seine Qualitäten in die Waagschale werfen können und diesmal auch einen Preisgeldplatz erreicht. Und er hat eine erstaunliche Konstanz bewiesen – seine schwächste und seine beste Punktausbeute 2012 liegen gerade einmal 2 Ranglistenpunkte auseinander. Darüber hinaus hat kein Spieler, der 2012 an mehr als zwei Turnieren teilgenommen hat, bei seinem schwächsten Turnier so viele Ranglistenpunkte erreicht wie Ralf (25).

Und Helmut hat zum vierten Mal in Folge die Finalrunde erreicht, das Halbfinale im Juni war schon sein drittes in diesem Jahr. Kompliment und Glückwunsch zum geteilten dritten Platz!

Finale

Das Turnierfinale sieht das Duell zwischen einem Auswärtigen und einem Berliner Spieler. Peter de Bruck ist, wann immer er Berlin einen Turnierbesuch abstattet, ein heißer Kandidat auf einen Preisgeldplatz und auch auf den Turniersieg. 2010 und 2011 hat Peter je dreimal an einem Montstturnier teilgenommen und dabei bei nur einem Ausreißer nach unten einmal die 2nd Chance gewonnen, dreimal das Halbfinale des Turniers erreicht und das Jahresendturnier 2010 gewonnen. Ein harter Brocken. Aber Dankwart ist nach einem Tief zu Jahresbeginn wieder auf dem Weg nach oben und hat auch schon im Mai das Turnierfinale erreicht.

Turnierfinale zwischen Dankwart Plattner und Peter van de Bruck

Der Lokalmatador bewegt sich zunächst weiter in der Erfolgsspur: Im ersten Game setzt er zwei Checker in seinem Heimboard fest und holt sich ein Pass ab. Anschließend verpasst er zwar ein Redoppel und verliert den Markt, geht aber 3:0 in Führung. Und als er anschließend wieder verdoppeln kann und eine kritische Situation durch einen Pasch löst, durch den er mit zwei Steinen einspielen und in seinem Heimboard mit Punkt schlagen kann, ist Dankwart laut Computeranalyse bereits mehr als 70%iger Favorit, die Berliner Meisterschaft im Juni zu gewinnen.

Da ist es schon fast lebenswichtig für Peter, dass er kontern und schlagen kann, als Dankwart bereits drauf und dran ist, seine hintersten Steine durch das Außenfeld in sein Heimfeld zu manövrieren.

Etwas später eine interessante Cube Decision, als Peter in dieser Position den Würfel auf 4 dreht:

Eine unangenehme Entscheidung für Dankwart:

Auf der Bar stehend ist die ungemütliche Frage, ob man überhaupt wieder in die Partie zurückgelangen und die Chance zur Wende bekommen kann. 8 Würfe machen schließlich den 4-Punkt, andere schließen den 2-Punkt oder erobern das Außenfeld. Und ein Take würde auch bedeuten, den schönen Vorsprung wahrscheinlich zu verlieren und in Rückstand zu kommen. Gern nimmt man die Verdopplung nicht an.

Auf der anderen Seite: Schwarz ist im Lauf noch vorn. Wenn Weiß den 4-Punkt nicht machen kann, liegt noch eine Menge Arbeit vor ihm. Und der Würfelwert von 4 würde ja nicht nur bedeuten, dass man in Rückstand geraten kann (und wahrscheinlich wird). Sondern bei einer Wende und einem Sieg würde es 7:0 stehen.

Auch dies muss man sich vergegenwärtigen und das tut Dankwart auch und nimmt die Verdopplung an. Ein mutiges Take, aber auch ein klar richtiges.

Dennoch: Eine richtige Entscheidung im Backgammon bedeutet nicht, dass diese auch belohnt wird. Dankwart bleibt auf der Bar, im übernächsten Zug macht Peter den 4-Punkt zu, zwei weitere Züge später schließt er sein Homeboard komplett. Wenig später sackt Peter 4 Punkte ein und geht in Führung.

Anschließend hat Dankwart nicht mehr viel zu melden. Er kommt nicht einmal mehr dazu, den Würfel zu drehen, sondern muss in der Folge nur noch Peters Verdopplungen annehmen oder ablehnen, sodass es beim Stand von 8:3 zur Crawfordpartie kommt. Hier ist Dankwart zwar noch einmal im Vorteil und kann auch einen Nachzügler Peters zweimal auf die Bar setzen. Dann aber trifft Peter mit Closed Board einen Blot auf der 24 und besiegelt Dankwarts Schicksal im Finale der Berliner Meisterschaft im Juni.

Der spätere Turniersieger Peter van de Bruck in einer Turnierpause

Herzlichen Glückwunsch Peter zum verdienten Gewinn des Juniturniers der Berliner Meisterschaft und zu einer hervorragenden Performance von knapp über 3 (c)! Glückwunsch und Kompliment aber auch für seinen unterlegenen Gegner Dankwart, der zum zweiten Mal nacheinander das Finale eines Monatsturniers erreicht und auch eine gute Leistung geboten hat!

Turnierausklang mit Peter, Ralf, Dankwart und Christian

Rangliste

Der Blick auf die Rangliste der Berliner Meisterschaft 2012 ist diesmal besonders interessant, denn nach dem fünften Monatsturnier befinden wir uns genau in der Halbzeit der Saison:

Durch seinen zweiten Platz in Folge hat Dankwart mit 110 Punkten die Marke von 100 Punkten geknackt, in der Saisonwertung einen Sprung vom 10. auf den 6. Platz gemacht und sich in eine aussichtsreiche Position für den Kampf um einen der ersten 8 Plätze gebracht, die am Ende des Jahres zu einem Startplatz beim Ranglistencup nach Ende der Saison der Berliner Meisterschaft berechtigen.

Sprung von Ranglistenplatz 10 auf Platz 6: Dankwart Plattner

Das gilt auch für Ralf Sudbrak auf Platz 7 (105 Punkte). Und auch Christian Plenz ist durch seinen Sieg in der 2nd Chance wieder in den Top Ten der Rangliste zu finden und mit 102 Punkten auf dem 9. Platz in Reichweite der besten acht der Rangliste. Aber auch Igor Kaplanski (punktgleich mit Ralf auf Platz 7) und Hamid Akbari (Platz 10 mit 94 Punkten) haben noch Tuchfühlung zu den besten acht der Rangliste.

Abzuwarten bleibt, ob Spieler wie Julian Becker (Platz 11, 76 Punkte), Tim Schuettler (Platz 12, 68 Punkte) oder der noch relativ unerfahrene Rochus Wegener (Platz 13, 58 Punkte) nochmal Kontakt zu den Top Ten aufnehmen können oder sogar um einen Platz beim Ranglistencup mitspielen können. Martin Birkhahn folgt mit konstant starken Ergebnissen auf Platz 14. Aber bei ihm wird die Frage sein, wie oft er im Jahresverlauf noch an unseren Turnieren teilnehmen wird.

Vor Dankwart liegen Thomas Krüger (118 Punkte) und Matthias Strumpf (125,5 Punkte unverändert auf den Plätzen 5 und 4.

Eine Veränderung hat es unter den ersten Drei der Rangliste gegeben: Denn Helmut Krausser hat durch seine Halbfinalteilnahme 19 Punkte auf Thomas Koch aufgeholt und diesen mit 150 Punkten als Nr. 2 der Saisonrangliste abgelöst. Der Vorsprung auf Thomas, der mit 148 Punkten folgt, ist aber nur sehr knapp.

Souverän seine Führung in der Saisonwertung der Berliner Meisterschaft behauptet hat Tilman Söhnchen trotz einer diesmal mäßigen Ausbeute: Er steht inzwischen bei 164,5 Punkten.

Auch in der Ewigen Berliner ELO-Rangliste hat es hinter Spitzenreiter Thomas Zimmer einen Platzwechsel gegeben: Der bisherige Zweite Christian Plenz hat  zwar durch seinen Sieg in der 2nd Chance ein paar Pünktchen gewonnen. Peter van de Bruck aber hat durch seinen Turniersieg über 30 Punkte hinzugewonnen und Christian auf Platz 3 verdrängt. Neu in den Top Ten de aktiven Spieler ist Martin Birkhahn, bei dem vor allem seine herausragende Vorrunde zu Buche schlägt.

Knapp 15 Punkte hat Turnierfinalist Dankwart Plattner hinzugewonnen, wodurch er sich von Platz 24 auf Platz 19 verbessern konnte. Auf den weiter hinter gelegenen Plätzen hat Guido Weidner 15 Punkte hinzugewonnen, und Helmut Krausser setzt seinen Vormarsch weiter fort – seit Jahresbeginn hat er gut 65 Punkte hinzugewonnen.

Resümee

Das war das Juniturnier der Berliner Meisterschaft 2012. Wir freuen uns, dass auch dieses Turnier trotz der organisatorischen Unwägbarkeiten wegen des Fußballspiels gut und bei schönem Wetter auch in angenehmer Atmosphäre über die Bühne gegangen ist, und danken allen Teilnehmern für ihre Mithilfe und Rücksicht!

Herzlich gratulieren wir allen Preisträgern, in erster Linie Turniersieger Peter van de Bruck!

Die nächste Gelegenheit, dem Führenden Tilman Söhnchen näher auf die Pelle zu rücken, bietet sich am 14. Juli 2012 – dann startet das erste Turnier der zweiten Saisonhälfte der Berliner Meisterschaft – wie immer um ab 14 Uhr im Café Kleisther.

Wir freuen uns darauf!

Daniel Kotrc & Christian Plenz

Finalrunde:

1. Peter van de Bruck
2. Dankwart Plattner
3. Helmut Krausser, Ralf Sudbrak

2nd Chance:

1. Christian Plenz
2. Daniel Kotrc

Ein statistischer Überblick über dieses Turnier ist hier zu finden,

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