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B3B: Jahresendturnier November 2013

23. November 2013

Der Glückstag ..

Also, ich bin ja eigentlich gar nicht abergläubisch… Aber was mir am Wochenende beim Jahresendturnier (alles wahr!) passiert ist , lässt mich doch ins Grübeln kommen 🙂

Am Samstagmorgen schlafe ich schön aus, laufe gut gelaunt zur Straßenbahn und will mir am Automat ein Ticket kaufen. Ich drücke auf die Tasten, es kommt irgendeine komische Fehlermeldung und plötzlich kommen mir nacheinander drei 10-Euroscheine aus dem Schlitz entgegen! Verdattert schau ich mich um. Niemand da.. Versteckte Kamera ?? Wie auch immer, das muss ein Zeichen sein. Heute ist mein Glückstag!

Entspannt steige ich in den Zug nach Berlin, frühstücke gemütlich im Boardrestaurant, studiere noch ein bisschen Takepoint-Charts und komme pünktlich im neuen Spiellokal an. Dadurch habe ich noch die Möglichkeit, den Qualifier für das Jahresendturnier mitzuspielen.

Startgeld ist hier 25 Euro, ich kann also meine 3 Glücks-Zehner einsetzen!

Und tatsächlich läuft alles wie am Schnürchen!

Zwar leistet Bernhard Winkelhaus erhebliche Gegenwehr, sowohl auf dem Brett, wie auch verbal; aber mit zwei gut getimten 6er-Päschen im DMP komme ich schließlich locker weiter.

Im Finale des Qualifiers lasse ich dem etwas zu vorsichtig agierenden Peter Gaebler keine Chance.

→ Qualifiziert! Letztlich ohne jeden monetären Einsatz 🙂

Im Turnier dann geht es genauso weiter. Das Losglück beschert mir drei gute „Kunden“: Thomas Krueger, Tilman Soehnchen, und Hartmut Schuler, gegen die ich noch nie verloren habe. So auch diesmal. Trotz meiner üblichen Zeitnot lasse ich nichts anbrennen. Genausowenig wie erneut gegen Peter und den gut gelaunten aber chancenlosen Vitali. Mein ständiges Husten (hab ich immer um diese Jahreszeit) stört eher die Gegner als mich selbst (sorry dafür!).

5-0 nach der Vorrunde. Ganz klar, das ist mein Turnier!

Glücklicherweise wird das Vietelfinale auch noch an diesem, meinem Tag gespielt!

Mein Gegner heißt Peer Röwer, ein sehr starker Spieler, aber seltener Gast bei Turnieren und möglicherweise nicht auf dem neuesten Stand der Match-Theorie…

Ich mache mir also keinerlei Sorgen. Zu Beginn des Matches geht es hin und her, bis zum Stand von 6-5 für mich auf 9 Punkte. Peer gibt mir ein starkes Doppel, das ich annehmen muss. Bald droht er, Gammon und das Match zu gewinnen… Aber, klar, irgendwann kommt der Joker, und ich drehe den Spieß um. Nun hab ich ihn Gammon am Wickel, was das Match für mich gewinnen würde. Das nun einsetzende Lamentieren meines Gegner perlt an mir ab und die Hybris ergreift Besitz von mir …

… dann aber eine winzige Unachtsamkeit: Beim Hereinspielen meiner Checker ins Board übersehe ich, dass er nicht zwei, sondern nur noch einen Stein auf der Bar hat, spiele daher eine Idee zu unflexibel… und mein Gegner würfelt und würfelt ..

.. Ich schaue auf meine kurz vorher bei Rossman erstandene Desgneruhr… Es ist eine Minute nach Mitternacht……

Ihr ahnt, was jetzt passiert ?

Natürlich. Mein Glückstag ist vorbei! Peer wirft einen Joker von der Bar, kann das Gammon noch abwenden und spielt den Rest des Matches nahezu perfekt! Im nächsten Spiel verliere ich chancenlos Gammon, und im DMP versemmle ich gleich mehrere matchentscheidende Schüsse..

Aus!

Natürlich bringe ich dann auch am Sonntag kein Bein mehr auf den Boden, verliere sogar gegen meinen Stammkunden Tilman in der Second Chance und leider geht auch nicht viel im Doppel, obwohl ich hier mit Rochus wirklich gerne Berliner Meister geworden wäre …

Trösten kann ich mich allerdings mit der Kalkutta-Auktion. Geistesgegenwärtig hatte ich meinen Gegner Peer, den späteren Sieger, ersteigert.

Aber die Auktion war ja auch noch am Samstag gewesen …. 🙂

Trotz des diesmal fehlenden Turnierglücks: Es war wie immer ein schönes und unterhaltsames Wochenende für mich in Berlin! Wie Turnierleiter Dankwart Plattner treffend bemerkte; es ist wie ein großer Kindergarten.. Stimmt! Aber einer, in den man gerne geht und in dem man Spaß hat! 🙂

Nicht vergessen wollen wir an dieser Stelle aber bei allem Spaß den viel zu früh verstorbenen Daniel Kotrc, dem das Turnier gewidmet war.

Nun aber noch ein zwei Stellungen vom Wochenende, die mir besonders haften geblieben sind:

Im Viertelfinale der Second Chance kam es gegen Yannick Rudolph zu folgender Situation beim Stand von 4-2 auf 7 für mich (Weiß):

Bernhard (Weiß) am Wurf gegen Yannick (Schwarz), Stand 4-2 für Bernhard, Cube Action?Bernhard (Weiß) am Wurf gegen Yannick (Schwarz), Stand 4-2 für Bernhard, Cube Action?

Besonders volatil sieht die Stellung ja nicht aus. Außerdem führe ich im Match. Aber: Der Take-Point ist bei 5away-3away recht hoch (29%). Natürlich ist dafür auch die Recube-Power sehr groß. Man kann hier sogar auf einen direkten gewinnbringenden Schuss hin redoppeln.

Aber meine Gedanken waren wie folgt:

1, Ich habe Market-Loser. Nach hohen Päschen oder 6-5 kann er das Ding wohl nicht mehr nehmen

2, Ich habe einige Würfe Zeit, meine Männer auf dem Midpoint sicher nach Hause zu bringen, während das Timing meines Gegners fraglich erscheint.

3, Yannick schaut nicht glücklich drein; womöglich gibt er auf, selbst wenn es noch kein Doppel sein sollte…

Nun, alle diese Annahmen waren komplett falsch!!

Ich dopple; Yannick nimmt sofort an, und in der Analyse mit XG stellt sich heraus, dass er sogar z.B. nach einer 6-5 noch ein (dünnes) Take hat, ich also (fast) gar keine Market-Loser hatte!

Und das mit dem „einige Würfe Zeit“ war auch ein Irrglaube …

Könnt Ihr Euch vorstellen, dass Yannick nach nur drei Würfen von mir zu gut zum Doppeln steht ?

Nein??

Doch!!!

Nach dreimal 2-1 in Folge (!) von mir (Spielt das mal nach !!!) ergibt sich folgendes Bild, Yannick (Schwarz) am Wurf:

Diese Stellung ist nun (nach XG-Rollout) tatsächlich zu gut zum Doppeln für Schwarz!!

Yannick spielt korrekterweise weiter, trifft und schließt beide Steine aus. Ich kann aber dem Gammon mit knapper Not entrinnen und letztlich das Match doch noch für mich entscheiden
 

Im Semi der Conso wartet wieder Tilman auf mich. Das Match kulminiert in folgender Stellung:

Bernhard (Schwarz) am Wurf gegen Tilman (Weiß), Stand 0-4 für Tilman, Cube Action?Bernhard (Schwarz) am Wurf gegen Tilman (Weiß), Stand 0-4 für Tilman, Cube Action?

Tilman führt 4-0 auf 9 und hatte mir (Schwarz) einen Wurf zuvor – viel zu früh – die 4 gereicht und mit 5-3 zwei Steine ausgespielt. Er sagte, er wollte mich hier „totmachen“, was ihm letztlich auch gelang.

Muss ich hier gleich die 8 zurück geben?

Ich bin einigermaßen stolz darauf, hier mein Doppelfenster und seinen Takepoint recht genau ausgerechnet zu haben, ohne dass meine komplette Zeit abgelaufen ist 🙂

Doubling Point: Risk/(Risk+Gain) Ich riskiere (Risk) nur 5,6%, die ich bei 0-8 noch habe, gewinne (Gain) aber 34,2% (von 50% bei 4-4 auf 84,2% bei 8-4)

→ DP = 5,6% / 39,8% ~ 14%

Das Doppelfenster geht also schon bei 14% auf. Hab ich die in der Stellung? Auf jeden Fall. 11 Pips hinten, am Wurf, leicht besssere Verteilung, da hab ich bestimmt 25% oder mehr

Aber: Nur weil man deutlich im Doppelfenster liegt, heißt es ja noch nicht, dass es auch ein Doppel ist! Man braucht schon auch ein paar Marketloser. Hab ich die ?

Sein Takepoint: Risk/(Risk*Gain) Er riskiert mit einem Take die obigen 34,2% und gewinnt genau 50% (Unterschied 4-4 zu Sieg)

→ TP = 34,2% / 84,2% ~ 40,5%

nach 66 von mir hat er nach den meisten Würfen natürlich keine 40% mehr, nach 5-5 wohl nach den meisten seiner Würfe ebenfalls nicht

Also hab ich schonmal Marketloser.

Wie sieht es für andere Würfe aus ? Z.B. 6-5 oder 4-4 gefolgt von 2-1 ? Schwer zu sagen.. Sollten aber schon noch 40% für ihn sein.

66 und 55 könnten also durchaus die einzigen Marketloser sein.

Reicht das??? Immerhin bin ich deutlich im Doppelfenster…

Knifflig …. Think Tank ……

Ich raffe mich auf: Nur noch 3 Minuten übrig… bei 4-4 hätt ich damit einen klaren Nachteil.. Also dann: Doppel auf die 8!

Tilman nimmt natürlich an, ich versuche in den nächsten Würfen alles, inklusive Verwendung der Baffle-Box… Hilf alles nicht, der Schlusspasch kommt nicht, aus die Maus.

Und das Redoppel? War hauchdünn korrekt !!

So dünn sogar, dass man in der Praxis wohl lieber weiterspielen sollte, in der Hoffnung, dass der Gegner seinen Takepoint nicht kennt und vielleicht später noch mit deutlich weniger als 40% annimmt.

Das ist allerdings beim amtierenden Gibraltar-Champion sicherlich nicht zu erwarten… Ich hab also alles richtig gemacht und dennoch 12:0 verloren 🙂

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