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Nachmittags im Großstadtdschungel

25. August 2014

Es ist einer dieser typischen Sonntagnachmittage im Café Belmont. Vereinzelte Gestalten sitzen an der Bar und warten, was der Tag noch so zu bieten hat. Aus den Lautsprechern dudelt nonstop 70er und 80er Jahre Musik. Phil Collins, Chris Rea, ABBA. Die Zeit scheint seltsam stehengeblieben zu sein. Hier tickt die Uhr noch analog, das digitale Zeitalter findet irgendwo da draußen statt. Von der Bar schwappt gelegentliches Altherrenlachen herüber. Es riecht nach ungewaschenen Männerrücken, da hört man plötzlich ein Stöhnen.

Hinten links am Fenster wird gerade ein Tier gequält. Es ist ein großes, ein sehr großes sogar, und eigentlich auch ein gefährliches. Es ist das Krokodil, es ist Igor Kaplanski.

Grund für Igors Leiden ist der Spielstand von 7 zu 11 gegen den Underdog Rochus Wegener. Es läuft einfach nicht an diesem Nachmittag für Igor, Schweißperlen haben sich auf seiner schuppigen Stirn gebildet. „Pasch, Pasch, Pasch“, ruft er, „Rochus wirft immer nur Pasch!“. Dieser kontert: “Wieso? Du hast doch eben beim Bear-Off Pasch 6, Pasch 3 und Pasch 1 gewürfelt.“ Da hatte es noch 5 zu 11 gestanden und Igor hatte das Spiel in letzter Minute gedreht. Doch das war im Spiel davor gewesen und die Wahrnehmung eines Backgammonspielers hat nun mal einen engen Korridor und findet im Jetzt statt. Was schert einen Kaplanski das Game von vorhin?

Im nächsten Spiel liegt wieder eine komplizierte Mutual-Holding Position auf dem Board. Igors Stirn wirft jetzt nicht bloß Falten, sondern ist von tiefen Furchen durchzogen. Längst ist sein Schalter auf Jammermodus umgelegt, da würfelt Rochus den Befreiungspasch Fünf. „Urrgh“, entfährt es Igor und schaut mit vorwurfsvollem Blick in die Runde. Doch von den zahlreichen Kiebitzen kann ihm leider keiner helfen. Weder Vitali Olshanski noch Dieter Münster oder Christian Fix, Tilman Söhnchen, Jochen Landvogt oder Chabo. Am Backgammonboard gewinnt oder verliert jeder Spieler für sich allein.

Rochus, in seinem Beruf Vorstandsvorsitzender, in seinem Hobby Backgammonspieler und Großwildjäger, hat längst seine Chance erkannt und Blut gewittert. „Alles ganz normale Würfe, Igor!“, sprach’s und zieht viermal die Fünf. Aus den Lautsprechern klingt analog zum Spielgeschehen Elton Johns „Crocodile Rock“: „But the biggest kick I ever got, was doing a thing called Crocodile Rock.“ Doch Igor bäumt sich noch einmal auf. Kein Tier ist schließlich so gefährlich wie ein verwundetes. Und siehe da, plötzlich steht es nur noch 10 zu 12. Ein Hoffnungsschimmer. „Nicht mit Kaplanski!“, sagt Vitali, einer der größten Krokodilfans. Aber am Ende reicht es doch nicht mehr. Dem Krokodil wird an diesem Nachmittag endgültig der Zahn gezogen und die Division II hat mit Rochus einen neuen Aufstiegsfavoriten. Igor hingegen muss jetzt um den direkten Wiederaufstieg bangen, denn gerade diese Division ist gespickt mit frischen, neuen Talenten. Jochen Landvogt, Steffen Schenk und Julian Becker sind zwar in erster Linie begabte Backgammonspieler, doch auch sie könnten Gefallen an der Großwildjagd finden.

Krokodiljäger Rochus im Sumpfgebiet mit Kiebitzen.

 

Am anderen Tisch im Belmont ging es ziviler und weniger blutverschmiert zu. Die beiden Gentlemen Gerhard Zerbin und Matthias Strumpf trugen gleich zwei Matches miteinander aus. Das erste gewann Gerhard knapp mit 15:13, nachdem Matthias schon 9:2 geführt hatte. Das zweite ging dann klar an Matthias. Für beide ist das Ergebnis zufriedenstellend, denn sie können damit vorerst die ersten beiden Plätze in der Division I behaupten und weiter die Chance auf den Titel des „SuperLiga Champ 2014“ wahren.

Gerhard hat Grund zur Freude: Auch dieses Wochenende verlief erfolgreich.

 

Am Montagnachmittag kam es dann an einem anderen Ort in Berlin zum Showdown. Rolf „The Silent Eliminator“ Schüler traf auf „Killman“ Söhnchen im Steglitzer Tennisclub. Für beide war es ein enorm wichtiges Match, da das Resultat eine Weichenstellung für die weitere Perspektive im Kampf um den SuperLiga-Titel bedeutete. Auch zu diesem Match hatten sich mehrere Kiebitze eingefunden und ihr Kommen sollte sich gelohnt haben. Es knisterte vor Spannung, als Killman einen 6:12 Rückstand Punkt für Punkt aufholte. Beim Stand von 12:12 takte Rolf den Cube und konnte in der Bear-In Phase mit einem Redouble/Pass als Favorit in die Crawfordpartie gehen bei 14:12. Doch das Spiel wäre nicht Backgammon, wenn es nicht dramatisch zuginge! Und so gelang es Killman, vier von Rolfs Checkern auf die Bar zu setzen bei einem Closed Board. Zu allem Überfluss entdeckte Rolf zum unpassendsten Zeitpunkt im Match seine Leidenschaft fürs Tanzen, kam
viel zu spät von der Bar rein und verlor tatsächlich 3 Punkte (Cubeless Backgammon) und damit das Match 15:14. Der glückliche Sieger der Partie schmiss im Anschluss eine Runde für Gegner und Kiebitze. Und beim frisch gezapften Bierchen stellte Gerhard Zerbin fest:“Das war toll, hörmal, dass wir das miterleben konnten. Das war das schärfste, was ich jemals im Backgammon gesehen habe!“

Konzentrierte Spannung im Division I Match.

 

Schon ab morgen gibt es die nächsten scharfen Begegnungen. Ralf „Doc“ Sudbrak wird gegen James „The Rock“ Klein in der Division III versuchen, einen großen Schritt in Richtung Wiederaufstieg zu machen (Dienstag im Belmont ab 18 Uhr) und Julian „Cube-Specialist“ Becker will gegen Steffen Schenk am Mittwoch (18 Uhr Nico’s Bar) endlich den Negativtrend stoppen und sein erstes Match in der Division II gewinnen.

Tilman
SuperLiga-Leitung

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