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Berlin, kurz vor Mitternacht: Vertrackte Cubeentscheidung

19. Juni 2016

Ist Backgammon nicht wunderschön? Bericht vom Juniturnier von Berlin Backgammon

Zwischen der – so heißt es – klügsten Nacht des Jahres, der langen Nacht der Wissenschaften, und der kürzesten Nacht des Jahres, der Nacht der Sommersonnenwende, liegt in Berlin eine der elf spannendsten Nächte des Jahres: Die Nacht des Denksports Backgammon, der Spielfreude, Geselligkeit, Wissen und Spannung bietet.

19 Spielerinnen und Spieler genossen im Juni diese einzigartige Kombination, darunter vier Beginners.

Günter SchmidtGünter Schmidt

Neu dabei war der Berliner Günter Schmidt, der als erfahrener Backgammonspieler in der Championsklasse startete.

Stefan Büchner, der heute zum zweiten Mal dabei war, startete erneut in der Beginnersklasse.

Schweres Los: Stefan Büchner (li) gegen den Ranglistenführenden Thomas KrügerSchweres Los: Stefan Büchner (li) gegen den Ranglistenführenden Thomas Krüger

In diesem Jahr zum ersten Mal war Tim Schuettler dabei.

Tim Schuettler (li) gegen Asha HankaTim Schuettler (li) gegen Asha Hanka

Schön, dass ihr dabei wart, und wenn es Euch gefallen habt, dann kommt wieder und erzählt es euren Freunden!

Helmut Krausser, Sieger des Jahresauftaktturniers und als Tabellenvierter ins Turnier gestartet, behielt in der Vorrunde eine unbefleckte Weste (der Verlauf der Vorrunden kann auf der Seite „Runde für Runde“ (https://berlin-backgammon.org/2016/06/19/runde-fur-runde-verlauf-des-berliner-maiturniers-2016-2/#Vorrunde nachvollzogen werden).

Helmut Krausser (li) gegen Gerhard ZerbinHelmut Krausser (li) gegen Gerhard Zerbin

Obwohl er, gemessen am Berliner Glücksindex Blix, der das Losglück in der Vorrunde der Berliner Turniere misst, eher schwere Gegner hatte, konnte er sich ungeschlagen in die Spielpause begeben. Noch schwerere Gegner hatte Matthias Strumpf, der mit einer einzigen Niederlage (gegen Gerhard Zerbin) durch die Vorrunde marschierte. Eher leichte Gegner hatten Dieter Münster und Ralf Sudbrak, der sogar eines der fünf Freilose ergattern konnte. Auch sie musste nur eine Niederlage hinnehmen und konnten sich als Viersiegspieler eine ausgedehnte Spielpause gönnen. Die Ruhe hat sich für alle bezahlt gemacht, wie wir sehen werden.

Thorsten (re) gegen Kurt ZerwerThorsten (re) gegen Kurt Zerwer

Helmut, Matthias, Dieter und Ralf besetzten also die ersten vier Plätze in der Hauptrunde, und um die übrigen vier Plätze bewarben sich insgesamt sieben Dreisiegspieler: Gerhard Zerbin, Fakir Aslan, Thorsten Miesel, Vitali Olchanski, Asha Hanka, der amtierende Berliner Meister Rolf Schüler und der Ranglistenführende Thomas Krüger.

Ralf Sudbrak (li) gegen Fakir AslanRalf Sudbrak (li) gegen Fakir Aslan

Sie alle musste ins einstufige Stechen. Gerhard hatte sich ein Freilos verdient, und die anderen spielten die übrigen drei Plätze aus (https://berlin-backgammon.org/2016/06/19/runde-fur-runde-verlauf-des-berliner-maiturniers-2016-2/#stechenumfinalrunde). Asha, Vitali und Fakir konnten sich durchsetzen, Thomas, Rolf und Thorsten musste in die Second Chance.

Thorsten Miesel (li) gegen den amtierenden Berliner Meister Rolf SchülerThorsten Miesel (li) gegen den amtierenden Berliner Meister Rolf Schüler

Für diese waren auch die vier Zweisiegspieler Igor K, Tim Schuettler, Yonas Brinkmann und Sokrates Bukalis direkt qualifiziert, so dass in der Second Chance ein einziges Plätzchen übrigblieb, um das sich vier Spieler balgten: die Beginnersstarter Stefan Büchner und Kurt Zerwer sowie der Neuling Günter Schmidt und der Turnierleiter Dankwart Plattner. In dem zweistufigen Stechen konnte sich Günter durchsetzen und in die Second Chance einziehen!

An der frischen Luft: Yonas Brinkmann (li) gegen Kurt ZerwerAn der frischen Luft: Yonas Brinkmann (li) gegen Kurt Zerwer

Nach einer kleinen Pause konnten 16 Spielerinnen und Spieler das Turnier gegen 19:30 Uhr in der Hauptrunde und der Second Chance fortsetzen.

Günter (li) gegen Sokrates BukalisGünter (li) gegen Sokrates Bukalis

In der Hauptrunde zündete Ralf Sudbrak den Turbo und besiegte nacheinander Asha und Vitali, so dass er im Finale stand. Wie sich das anfühlt, wusste er vom Maiturnier. In der anderen Tabellenhälfte startete Dieter Münster ähnlich gut und leiß nacheinander Fakir und Helmut keine Chance.

Händedruck vor dem Finale: Ralf (li) und DieterHändedruck vor dem Finale: Ralf (li) und Dieter

Im Finale legte er gegen Ralf zügig los, führte im 9-Punkte-Match schon 7-4, als sich diese interessante Position ergab:

Dieter (Weiß) führt leicht im Rennen und hat zwei schwarze Steine hinter eine Fünferprime verbannt. Was soll Dieter hier machen? Und was Ralf?

… Hier habt ihr Zeit zum Nachdenken …
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Die Extreme-Gammon-Analyse ergibt, dass Dieter auf Gammon weiterspielen sollte. Er gewinnt mehr als drei Viertel dieser Spiele und davon mehr als 40% Gammon. Die sollte er versuchen zu nutzen und den Cube bei sich behalten. Denn durch das Geben des Cubes spielen die Gammons, die ihm jetzt zum Matchsieg verhelfen könnten, wenn er sie realisieren kann, keine Rolle mehr; der Cube entwertet seine Gammons, darum steht er nach dem Cube schlechter da – too good to double! In einer spannungsgeladenen Finalsituation wie dieser, die am Ende eines langen Turniertags so unscheinbar daherkommt, hat Dieter die Fallstricke dieser Position vielleicht nicht gesehen, und – Hand aufs Herz – wer von uns hätte sie erkannt? Jedenfalls hat er den Cube gezückt, wohl in der Hoffnung, dass Ralf aufgibt.

Und Ralf? Sollte man nicht jeden Cube, den ein Gegener gibt, der too good to double steht, ablehnen? Nein, und die Gründe sind dieselben wie bei Dieters Entscheidung. Da Gammons nur ohne Cube wirksam werden, spielen sie bei der Entscheidung über Take oder Pass keine Rolle mehr; für Ralf zählt bei der Cube-Entscheidung sein Take Point von gut 21 %, und da er ja noch ein Viertel der Spiele gewinnen kann, soll er annehmen. Und das hat er auch – sehr richtig – getan (auch hier wissen wir nicht, ob er die Fallstricke alle bedacht hat)!

So eine unscheinbare Position, so schwierig und kontraintuitiv zu spielen. Ist Backgammon nicht wunderschön?

Ralf hat den Cube also angenommen, gleich auf 4 zurückgegeben, konnte auch das Spiel noch drehen – ein weiteres dieser Mirakel, die im en passant schon passiert sind – und plötzlich stand es 8-7 für Ralf, und das Match ging ins Crawford Game. Auch hier lag Ralf zurück, auch hier konnte er das Spiel noch drehen – 30 Sekunden nach Mitternacht hieß es Spiel, Match und Turniersieg für Ralf Sudbrak! Und den Side Pool gab’s noch dazu! Dieter blieb der zweite Platz, der ja auch nicht zu verachten ist. Glückwunsch an beide Finalisten! Das Matchtranskript wird demnächst im Matcharchiv veröffentlicht.

Im Spiel um den 3. Platz saßen sich Helmut, der zuvor Gerhard in die Second Chance verbannt hatte, und Vitali, der Matthias geschlagen hatte, gegenüber.

Vor dem Match um den 3. Platz: Helmut Krausser (li) und Vitali OlchanskiVor dem Match um den 3. Platz: Helmut Krausser (li) und Vitali Olchanski

Vitali konnte das Match gewinnen und den dritten Platz erringen, Helmut wurde Vierter. Glückwunsch auch euch beiden!

In der Second Chance (https://berlin-backgammon.org/2016/06/19/runde-fur-runde-verlauf-des-berliner-maiturniers-2016-2/#SecondChance) versammeln sich im Achtelfinale diejenigen, die es im Stechen nicht in die Hauptrunde geschafft haben, diejenigen, die sich direkt für die Second Chance qualifizieren konnten, und diejenigen, die dem Schicksal, gleich nach der Vorrunde nach Hause fahren (oder sich eine andere Beschäftigung suchen) zu müssen, durch erfolgreiche Teilnahme am Stechen entgangen sind – insgesamt acht Teilnehmer. Vier müssen danach schon die Koffer packen – dazu gehörten dieses Mal Günter, Rolf, Yonas und Igor K. Die übriggebliebenen vier (Sokrates, Thorsten, Thomas, Tim) müssen die aus der Hauptrunde Relegierten (Asha, Matthias, Gerhard und Fakir) schlagen, um ins Halbfinale weiterzukommen. Sokrates und Tim gelang es, Matthias und Gerhard setzten sich auch durch, und Tim und Matthias konnten auch ihre Halbfinalmatches für sich entscheiden. Finale!

Im Halbfinale der Second Chance: Sokrates Bukalis (li) gegen Matthias Strumpf. Das Finale der Second Chance habe ich nicht in den Kasten gekriegt.Im Halbfinale der Second Chance: Sokrates Bukalis (li) gegen Matthias Strumpf. Das Finale der Second Chance habe ich nicht in den Kasten gekriegt.

Im Halbfinale der Second Chance: Tim (li) gegen GerhardIm Halbfinale der Second Chance: Tim (li) gegen Gerhard

Gegen Ende des Matchs konnte Tim ein Spiel bei gegebenem Cube und nahezu aussichtslosem Rückstand noch drehen und in einen Sieg verwandeln. Glückwunsch, Tim, und Gratulation, Matthias!

Kurz nach Mitternacht war damit das schöne und spannende Juniturnier der Berliner Meisterschaft beendet. Ungefähr um die Zeit endete auch die lebhafte Chouette, die sich dieses Mal entwickelt hatte.

Bewegung wie auf Rembrandts Gemälden, nur die Komposition lässt zu wünschen übrig: After-tournament-ChouetteBewegung wie auf Rembrandts Gemälden, nur die Komposition lässt zu wünschen übrig: After-tournament-Chouette

In der Rangliste (https://berlin-backgammon.org/bm-2016/) hat sich Thomas weiter abgesetzt und führt nun mit 80 Punkten Vorsprung vor Dankwart, der trotz schwachen Abschneidens wundersamerweise den zweiten Platz behalten konnte. Mit fünf Vorrundensiegen und dem 4. Platz hat Helmut stark gepunktet und ist auf den dritten Platz vorgerückt, den er sich mit dem Turniersieger Ralf teilt. Hamid, der im Juni nicht dabei war, folgt auf Platz fünf; diese fünf Spieler haben bereits mehr als 300 Punkte. Matthias, der ebenfalls stark gepunktet hat, hat sich auf Platz 6 verbessert, Dieter, der Finalist, machte einen großen Sprung von Platz zehn auf sieben. Igor K ist um zwei, Rolf um einen Platz zurückgefallen, Tibor, der ebenfalls nicht da war, steht auf Platz 10. Thorsten, Gerhard und Sokrates haben sich sogar um fünf Plätze verbessert, dazwischen steht Carlo, der auch gefehlt hat.

Auf die nächste Gelegenheit in diesem Jahr, Siege, Punkte und Preisgeldplätze bei einem Meisterschaftsturnier von Berlin Backgammon ins Visier zu nehmen, die Reihenfolge in der Rangliste zu ändern und überhaupt spannende Spiele zu spielen und einen schönen Nachmittag und vielleicht auch Abend zu verbringen, müssen wir nur drei Wochen warten. Sie kommt beim Juliturnier am 9. Juli 2016 um 13 Uhr (Anmeldung ab 12:30 Uhr, Auslosung um 12:55 Uhr) im en passant, Schönhauser Allee 58 (U2 Eberswalder Str.), 10437 Berlin, Tel. 0177–7383899. Die Auslosung für das Satellitenturnier findet bereits um 12:45 statt, die erste Runde wird vor dem Start des Hauptturniers gespielt.

Bis dann,
Dankwart

Finalrunde
1. Ralf Sudbrak
2. Dieter Münster
3. Vitali Olchanski
4. Helmut Krausser

Second Chance
1. Tim Schuettler
2. Matthias Strumpf

Lady’s Prize
Asha Hanka

Rookie’s Prize
Günter Schmidt

Satellit
Thomas Krüger

Die komplette Turnierdokumentation kann Runde für Runde eingesehen werden.

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