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Berlin, 13.8.: Niemand hat die Absicht, eine Prime zu errichten

14. August 2016

Bericht vom Berliner Backgammonturnier am 13.8.

… aber wenn sich die Gelegenheit bot, kümmerten sich die Berliner Backgammon-Bauarbeiter nicht um den Wohnungsbau, sondern waren mit dem Primebau beschäftigt. Vierer-, Fünfer-, am liebsten die undurchlässige Sechser-Prime strebten sie an, um die gegnerischen Steine, die sich bereits im Homeboard oder auf dem Weg dorthin befanden, von ihren Brüdern und Schwestern, die sich zu spät auf den Weg gemacht hatten, zu trennen. Die Zurückgebliebenen näherten sich der Prime hoffnungsvoll, wurden aber, sofern sie keine Unterstützung hatten, immer wieder schmerzhaft geschlagen; manchmal aber, wenn sie nicht allein waren, gelang es ihnen auch gemeinsam direkt an der Prime zu ankern, so dass sie vor gegnerischen Schlägen geschützt waren und ungeduldig darauf warteten, dass der Gegner die Prime würde öffnen müssen. Denn sie wussten, was wir wissen: Alles im Leben ist transitorisch, so auch die Prime im Backgammon.

Das zeigt übrigens wieder ein Mal, dass Backgammon das wahre Spiel des Lebens ist. Kein anderes Spiel, das ich kenne, bildet das wirkliche Leben mit all seinen Wechselfällen so realistisch ab. Das wäre mal eine eigene Backgammon-Philosophie wert!

Trotz der Urlaubszeit und vieler Abwesenheiten haben sich 20 Spielerinnen und Spieler am 13. August im „en passant“ eingefunden, um herauszufinden, wer an diesem Tag das Treppchen erklimmen würde. Zwei neue Gesichter waren dabei:

Bill Pope (li) und Roger Edberg beim FachsimpelnBill Pope (li) und Roger Edberg beim Fachsimpeln

Roger Edberg, der vom Schach kommt und seit etwa einem Jahr in Berlin lebt, ist froh, eine Community gefunden zu haben, in der er sein geliebtes Backgammonspiel wieder ausüben kann. Roger startete zunächst in der Beginnersklasse, gehört aber wohl eher in die Mastersklasse. Herzlich willkommen, Roger!

Bill Pope aus London, Nr. 28 der UKBGF-Rangliste, war der zweite Neuling, der klugerweise seinen Urlaubsaufenthalt in Berlin so geplant hat, dass er an unserem Monatsturnier teilnehmen kann. Eine sehr vernünftige Strategie, um den Besuch unserer spannenden Stadt mit etwas anzureichern, was Menschen auf der ganzen Welt verbindet: Dem Backgammonspiel, das wir so gerne spielen, weil es Können, Glück und Geselligkeit auf einzigartige Weise verbindet!

Lutz (sitzend) folgt der Unterhaltung der Spaßvögel: Tobias, Sokrates, Kurt (von li)Lutz (sitzend) folgt der Unterhaltung der Spaßvögel: Tobias, Sokrates, Kurt (von li)

Lutz Steuer, den andere Backgammon-Aktivitäten in diesem Jahr von einer regelmäßigen Teilnahme in Berlin abhalten, war auch wieder zu Gast.

Mit dabei waren wieder der Backgammon-Giant und Weltklassespieler Tobias Hellwag, der immer dann, wenn er nicht durch die Welt jettet, um bei großen Turnieren vorne dabeizusein, sein Heimatturnier durch seine Teilnahme unterstützt. Danke, Tobias! Wir finden, daran könnten sich mehr gute Spieler ein Beispiel nehmen.

Stefan (li) gegen MatthiasStefan (li) gegen Matthias

Immer mal wieder können wir auch Stefan Blancke, den deutschen Spitzenspieler aus Lüneburg, bei einem unserer Turniere in Berlin begrüßen. In Berlin ist er ausweislich der ELiT-Liste einer der erfolgreichsten Spieler. Was würde der heutige Spieltag für ihn bereithalten?

Kurt (li), Bernhard Ludwig WinkelhausKurt (li), Bernhard Ludwig Winkelhaus

Und mit dabei war auch Bernhard Ludwig Winkelhaus, der frischgebackene Weltmeister im Beratungsdoppel, der mit einem herzlichen Applaus begrüßt wurde. Aber BeLu ging es wie allen Berlinern, die erfolgreich von einem großen Turnier heimkehren: Sie kriegen keine Schnitte, ihre Attacken laufen ins Leere, ihre Hits führen dazu, das sie selbst geschlagen werden, anders als sonst sind sie erfolgreiche Bardancer, und ihre Primes zerbröseln wirkungslos. So reihte BeLu sich also in die lange Liste der erfolglosen Erfolgreichen ein und ging mit 0 (Null) Siegen heim. Macht nichts, Bernhard, das normalisiert sich erfahrungsgemäß!

Schön, dass Du da warst, schön, dass ihr alle da wart; kommt wieder!

Gerhard gegen Asha Gerhard gegen Asha

Die Vorrunde begann gleich mit einem Knaller und einem, so sagt man gern, vorweggenommenen Endspiel: Die Auslosung hatte im ersten Match Stefan Blancke und Tobias Hellwag an den selben Tisch gesetzt! Das lange Match, in dem beide Spieler am Ende weniger als 30 Sekunden Zeit übrig hatten, zog viele Zuschauer an, die beobachten konnte, wie Tobias sich durchsetzte. Aber Stefan sollte noch am selben Tag Gelegenheit zur Revanche bekommen… Ich habe das Match gefilmt; es wird demnächst im Matcharchiv als Analysefile zu finden sein.

Im ersten Match der Vorunde: Stefan Blancke gegen Tobias Hellwag (hi), KiebitzeIm ersten Match der Vorunde: Stefan Blancke gegen Tobias Hellwag (hi), Kiebitze

Tobias, der sich in der Vorrunde nur Matthias Strumpf geschlagen geben musste, hatte, so zeigt es der Berliner Glücksindex Blix an, ein durchschnittlich schweres Los und gewann vier seiner fünf Matches. Das schwerste Vorrundenlos hatte Vitali; er gewann ebenso viele Matches, da er sich nur Stefan Blancke geschlagen geben musste. Das zweitschwerste Los hatte übrigens Matthias Strumpf (drei Vorrundensiege), Stefan Blancke schloss sich nahtlos an (ebenfalls drei Siege). Kurt Zerwer, auf den die Berechnung der Blix zurückgeht, hatte dieses Mal ein erträgliches, eher leichtes Los. Mit drei Vorrundensiegen war er in der Beginnersklasse eine glatte Fehlbesetzung.

Niemand hatte heute fünf Siege, und Tobias und Vitali waren heute die einzigen Spieler, die es auf vier Siege brachten. Und da auch nur zwei Spieler weniger als 2 Siege hatten, war das Feld heute so ausgeglichen wie selten!

Thomas (li) gegen SokratesThomas (li) gegen Sokrates

Da nur zwei Spieler vier Siege hatten, standen den neun Dreisiegspielern sechs Plätze in der Hauptrunde zur Verfügung. Im Stechen mussten Igor K, Thomas Krüger und Stefan Blancke aufgrund ihrer Vorrundenergebnisse in der ersten Runde nicht antreten und wurden damit durchgewunken, Bill Pope, Kurt Zerwer und Tibor Taylor setzten sich durch. Damit war die Hauptrunde komplett.

Weltmeister Bernhard (li) gegen Neu-Master Michael RiederWeltmeister Bernhard (li) gegen Neu-Master Michael Rieder

Michael Rieder, Andreas Kohlschmidt und Matthias Strumpf musste in die Second Chance. Damit waren dort drei Plätze besetzt, für die acht Spieler, die mindestens einen Sieg hatten, standen fünf Plätze bereit. Gerhard Zerbin und Dankwart Plattner erhielten im Stechen aufgrund ihrer Vorrundenleistung die beiden Plätze, um die nicht gespielt werden musste, und in den drei nötigen Kurzmatches setzten sich Asha Hanka, Sokrates Bukalis und Roger Edberg durch. Für BeLu, Guido Weidner, Helmut Krausser und Lutz Steuer war das Turnier dieses Mal schon nach der Vorrunde zu Ende!

Im ersten Halbfinale der Hauptrunde standen sich Vitali, der Thomas Krüger geschlagen hatte, und Igor K, der Tibor Taylor besiegt hatte, gegenüber.

Gewann heute den freien Startplatz bei einem der nächsten Turniere: Andreas Kohlschmidt (re) gegen Tibor TaylorGewann heute den freien Startplatz bei einem der nächsten Turniere: Andreas Kohlschmidt (re) gegen Tibor Taylor

Igor K setzte sich durch: Finale! Die Paarung des zweiten Halbfinalmatches kennen wir schon aus der Vorrunde: Tobias Hellwag, der den Beginner Kurt Zerwer hinter sich gelassen hatte, saß Stefan Blancke, der im DMP den Sieg gegen Bill Pope davongetragen hatte, erneut gegenüber. Dieses Mal konnte sich Stefan durchsetzen (alle Ergebnisse stehen in der Ergebnisübersicht), und so hieß die Finalpaarung Igor K gegen Stefan Blancke (beide im Side Pool).

Im Finale: Igor K und Stefan Blancke. Matthias und Gerhard schauen zuIm Finale: Igor K und Stefan Blancke. Matthias und Gerhard schauen zu

Im fast zweistündigen Finale (auf 9 Punkte) führte Igor K schon 5-2 und dann noch einmal 6-5. Schließlich lag er 6-7 hinten, attackierte bei eigenem Blot im Homeboard Stefans Blot im Außenfeld und streute seine Steine, um im nächsten Zug sein Board zu verstärken und Gammon zu gewinnen.

Entscheidender Zug: Igor K zieht im Finale gegen Stefan Blancke zu aggressiv und verliert in der Folge das MatchEntscheidender Zug: Igor K zieht im Finale gegen Stefan Blancke zu aggressiv (13/12 8/6) und verliert in der Folge das Match. Die Pfeile zeigen den richtigen Zug

Das war aber zu aggressiv und keine gute Idee (und sogar ein ausgewachsener Blunder; richtig wäre gewesen, zu schlagen und – wie die Pfeile im Bild es anzeigen – den Blot im Homeboard in Sicherheit zu bringen, auch wenn’s unschön aussieht; andererseits ist man hinterher immer schlauer), denn Stefan traf den Blot, säuberte das Board von Igors Blots, stapelte sie auf der Bar und gewann Gammon. Spiel, Match und erneuter Turniersieg für Stefan Blancke, der schon das letztjährige Jahresendturnier gewonnen hat. Glückwunsch, Stefan und Igor K!

Vor dem Spiel um den 3. Platz: Tobias (li) gegen VitaliVor dem Spiel um den 3. Platz: Tobias (li) gegen Vitali

Im Spiel um den 3. Platz setzte sich Tobias gegen Vitali durch. Glückwunsch auch Euch beiden zum guten Ergebnis!

Kommen wir nun zur Second Chance: Im Achtelfinale setzten sich in der oberen Tableau-Hälfte Gerhard Zerbin und Dankwart Plattner, in der unteren Andreas Kohlschmidt und Matthias Strumpf durch und zogen ins Viertelfinale ein. Dort trafen sie auf die Verlierer der Viertelfinals der Hauptrunde, die ja bekanntlich in der Second Chance ebenfalls eine zweite Chance erhalten.

Trainigspartner und Ranglistenführende im Viertelfinale der Second Chance: Thomas (li, Erster) gegen Dankwart (Zweiter)Trainigspartner und Ranglistenführende im Viertelfinale der Second Chance: Thomas (li, Erster) gegen Dankwart (Zweiter)

Die Sieger der Viertelfinals trafen in den Halbfinals aufeinander: Tibor hatte das Nachsehen gegen Dankwart, und Matthias ließ Kurt keine Chance (alle Ergebnisse hier: Im Finale auf 7 Punkte standen sich also Matthias und Dankwart gegenüber. Dankwart führte nach einem leicht verfrühten Doppler, dem ein Gammongewinn folgte, schnell 4-0, und auch danach sah Matthias heute kein Land. Glückwunsch, Dankwart und Matthias!

Thomas (li) gegen AshaThomas (li) gegen Asha

Den Lady’s Prize sicherte sich erneut Asha Hanka, die es heute bis ins Achtelfinale der Second Chance geschafft hat.

In der Rangliste hat sich im August wenig verändert: Thomas hält sich sicher auf Platz 1, es folgt Dankwart, der den Abstand etwas verkürzen konnte. Beide Spieler haben schon mehr als 500 Punkte. Auf Platz 3 folgt Helmut, dessen Abstand zu den nächsten beiden – das sind Matthias Strumpf und Igor K – immer noch beruhigend groß ist. Diese Spieler haben über 400 Punkte. Auf den nächsten Plätzen hat sich nichts getan, Tibor steht jetz auf Platz 9 und Vitali auf Platz 10. Noch sind im September und Oktober zwei Turnier zu spielen, dann wissen wir, welche Spieler zur kostenlosen Teilnahme an der Ausschüttung des Added im Jahresendturnier berechtigt sind!

Bei dem guten Wetter war der hintere Raum leer und ruhig: Michael Riedel (li) gegen Helmut KrausserBei dem guten Wetter war der hintere Raum leer und ruhig: Michael Riedel (li) gegen Helmut Krausser

Auf die nächste Gelegenheit in diesem Jahr, bei einem Meisterschaftsturnier von Berlin Backgammon Ruhm und Ehre zu eringen, die Reihenfolge in der Rangliste zu ändern und überhaupt spannende Spiele zu spielen und einen schönen Nachmittag und vielleicht auch Abend unter Gleichgesinnten zu verbringen, müssen wir nun wieder fünf Wochen warten. Sie kommt beim Septemberturnier am 17. September 2016 um 13 Uhr (Anmeldung ab 12:30 Uhr, Auslosung um 12:55 Uhr) im en passant, Schönhauser Allee 58 (U2 Eberswalder Str.), 10437 Berlin, Tel. 0177–7383899. Die Auslosung für das Satellitenturnier findet bereits um 12:45 statt, die erste Runde wird vor dem Start des Hauptturniers gespielt.

Bis dann,
Dankwart

Finalrunde
1. Stefan Blancke
2. Igor Kaplanski
3. Tobias Hellwag
4. Vitali Olchanski

Second Chance
1. Dankwart Plattner
2. Matthias Strumpf

Lady’s Prize
Asha Hanka

Satellit
Andreas Kohlschmidt

Die komplette Turnierdokumentation kann Runde für Runde eingesehen werden.

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