h1

Das Turnier der sieben Backgammonwunder

11. März 2018

Bericht vom Märzturnier der Berliner Meisterschaft, dem Paul-Magriel-Gedächtnisturnier

Wer kennt sie nicht, die sieben Weltwunder? Mausoleum in Halikarnassos, Leuchtturm von Alexandria, Zeus-Statue in Olympia, Koloss von Rhodos, Artemistempel in Ephesos, Pyramiden von Gizeh und die Gärten der Semiramis: Es brauchte in der Antike die ganze bekannte Welt, um sieben Weltwunder zu finden.

Gut 2000 Jahre später gibt es ein paar Städte mehr auf der Welt, unter ihnen an prominenter Stelle Berlin. Hier wird mit Begeisterung – und weiter zunehmender Begeisterung – Backgammon gespielt, und auch dieses spannende Spiel kennt seine Wunder. Normalerweise treten davon zwei bis drei pro Jahr auf, manchmal mehr, manchmal weniger. Bei unserem Märzturnier traten die Wunder nun so gehäuft auf, dass es an ein Wunder grenzte und alle, die dabei waren, verwunderte und in Staunen versetzte.

Es fing damit an, dass 32 Spielerinnen und Spieler in der Masterskategorie starteten. Noch nie, seit ich in Berlin mitspiele, und das sind nunmehr fast zehn Jahre, hat es so viele Masters-Teilnehmer bei einem Monatsturnier gegeben. Hinzu kamen 5 Beginnersstarter. Alle hatten einen schönen Nachmittag und einen spannenden Abend, und so soll es sein: Spaß, Geselligkeit, Spannung und friedliche Konkurrenz beim Monatsturnier von Berlin Backgammon, wo wir das schönste Spiel der Welt spielen!

Klassenaufsteigerin Mel Sippel, Thorsten MieselKlassenaufsteigerin Mel Sippel, Thorsten Miesel

Erstmals bei den Masters trat Mel Sippel an, die in den letzten Monaten viel dazugelernt hat und sich gut gerüstet fühlte!

Asha Hanka, Ralf SudbrakAsha Hanka, Ralf Sudbrak

Vermutlich zum ersten Mal traten drei Frauen in der Masterskategorie an – neben Mel Sabine und Asha – auch ein Berliner Backgammonwunder, passend zum Internationalen Frauentag!

Christain Setzpfand (li), Matthäus ViglChristain Setzpfand (li), Matthäus Vigl

Zum ersten Mal nach fast zehn Jahren Abwesenheit war Christian Setzpfand dabei, der mein Halbfinalgegner bei meinem ersten Berliner Turnier im August 2009 war. Er wohnt schon lange nicht mehr in Berlin, aber Backgammon spielt er immer noch gern!

Petru Hlihor (re), Ulrich TammPetru Hlihor (re), Ulrich Tamm

Petru Hlihor aus Cluj/Rumänien, den ein Forschungsaufenthalt nach Leipzig geführt hat, nutzte den Samstag, um an unserem Monatsturnier teilzunehmen. Der zurückhaltende junge Mann schlug sich wacker, auch wenn es am Ende nicht zu einem Spitzenplatz reichte.

Peter HohlensteinPeter Hohlenstein

Peter Hohlenstein aus Zürich wird ein paar Monate in Berlin verbringen. Er hat sich gleich nach der hiesigen Backgammonszene erkundigt und uns gefunden!

Tomaš Zebis (li) und Detlev AppelTomaš Zebis (li) und Detlev Appel

Benjamin Metz, der Organisator der Berliner Backgammonserie Kiezgammon (siehe Gammon Gonzos Berlin auf Facebook: https://www.facebook.com/gammongonzos/), startete ebenso wie der Berliner Tomaš Zebis und der Kanadier Alex Daicos, der sich ein paar Monate in Berlin aufhält, zum ersten Mal beim Berliner Monatsturnier. Zunächst bei den Beginners.

Benjamin Metz (li) und Alex DaicosBenjamin Metz (li) und Alex Daicos

Schön, dass ihr da wart, kommt wieder, wenn es euch gefallen hat!

Außer der Begrüßung der Neuen gab es auch eine traurige Nachricht – der große Backgammonspieler und -lehrer Paul (X22) Magriel ist vor ein paar Tagen in seiner Heimatstadt Las Vegas im Alter von 71 Jahren gestorben. Paul war nicht nur ein herausragender Backgammonspieler (Weltmeister 1978), sondern ein großer Botschafter des Backgammon. Ursprünglich Mathematiker und vom Schach kommend, hat er mit seinem Buch, das er nüchtern „Backgammon“ betitelte, vielen – sehr vielen – in der Vorcomputerzeit das Backgammonspielen beigebracht. Sein bleibender Verdienst ist, dass er uns gelehrt hat, wie man sich einer Position nähert, sie analysiert und aus der Analyse die richtigen Schlüsse zieht. Seine Konzepte (u.a. Duplikation, Diversifikation, safe vs bold play), die er in „Backgammon“, das noch vor einigen Jahren ins Deutsche übersetzt worden ist, vorstellt, haben auch heute ihre Gültigkeit nicht eingebüßt.

Beim Merit-Turnier 2017 in Zypern: Paul Magriel, 1946-2018Beim Merit-Turnier 2017 in Zypern: Paul Magriel, 1946-2018

Wir haben unser Märzturnier Paul Magriel gewidmet.

Danach konnte das Turnier mit den vier Matches der Vorrunde beginnen. Frank Janneck maulte und jammerte, dass er ein zu schweres Los erwischt habe – und der Berliner Glückindex Blix bestätigt sein Gefühl: Ralf Sudbrak, Rolf Schüler, Igor K und Dankwart Plattner ließen seinen Blix auf 7,97 ausschlagen. Frank schlug sich aber achtbar und verbuchte am Ende zwei Siege – nicht schlecht. Mehr konnte auch Ralf Sudbrak, der mit -7,98 das leichteste Vorrundenlos hatte, nicht sammeln.

Nach der Vorrunde hatten 3 Spieler vier Siege: Guido Weidner, Frank Jonas und Sokrates Bukalis, der sich somit in allerbester Gesellschaft wiederfand. Sechs weitere Spieler hatten drei Siege, und wie schon im Januar war Faruk nach der Vorrunde aufgrund der Buchholzwertung der Tabellenneunte. Sein Pech war, dass er gegen zwei sieglose Spieler, Ufuk Doğanay und Dankwart Plattner, gespielt hatte. Die bringen halt keine Buchholzpunkte aufs Konto, die muss man meiden!

In dem Zusammenhang höre ich schon reichlich Beschwerden über das neue System, in dem wir das Stechen abgeschafft haben und stattdessen die Buchholzwertung über Wohl oder Wehe entscheiden lassen. Dass es so kommen würde, habe ich prognostiziert, dass es so früh so kommen würde, habe ich nicht gedacht! Ich eröffne gerne die Diskussion darüber, ob wir schon in der nächsten Saison zum Stechen zurückkehren wollen – es ist sportlicher, wie Tibor Taylor es treffend ausgedrückt hat. Aber es kann das Turnier auch um bis zu 60 Minuten verlängern. Die derzeitige Form der Second Chance möchte ich aber beibehalten. Ich kann mir auch Alternativen vorstellen und schlage vor, dass wir bei einem der nächsten Turnier darüber im Plenum sprechen.

Zurück zur Vorrundentabelle, die hier wie alle Resultate komplett wiedergegeben ist: https://berlin-backgammon.org/2018/03/11/runde-fur-runde-verlauf-des-berliner-marzturniers-2018/. Neben Ufuk und Dankwart gab es zwei weitere Pechvögel: Auch Thomas Krüger und Thomas Pertzel hatten keinen einzigen Sieg und schieden aus dem Turnier aus. Backgammon ist nicht nur das schönste, sondern auch „the cruellest game“, wie wir wissen!

Zuschauer beim Halbfinale zwischen Peter Hohlenstein (vorn) und Ralf JonasZuschauer beim Halbfinale zwischen Peter Hohlenstein (vorn) und Ralf Jonas

In der Hauptrunde konnte sich Ralf Jonas zwei Mal durchsetzen (gegen Carlo Petkovsek und Peter Hohlenstein) und stand damit im Finale. In der anderen Tableauhälfte setzte sich Frank Petrikat, der erst vor einem Jahr aus der Beginners- in die Mastersklasse gewechselt ist und im Februar die Second Chance gewonnen hat, gegen Sokrates Bukalis und Wolfgang zum Winkel durch – ebenfalls Finale (Wunder Nummer 3)!

Finale: Ralf Jonas (li), Frank PetrikatFinale: Ralf Jonas (li), Frank Petrikat

Würde er auch den alten Fuchs in die Schranken weisen können? Er machte es Ralf nicht leicht, holte einen 0-4-Rückstand auf, führte 5-4, später 7-6, nahm bei dem Spielstand einen unangenehmen Cube korrekt an, musste Ralf aber doch gewinnen lassen und ins Crawfordspiel gehen. Ralf ließ sich nun die Butter nicht mehr vom Brot nehmen und strich seinen dritten Turniersieg in dieser Saison ein – wo soll das alles enden? Glückwunsch Euch beiden nach dieser tollen Leistung!

Match um Platz 3: Wolfgang zum Winkel (li), Peter HohlensteinMatch um Platz 3: Wolfgang zum Winkel (li), Peter Hohlenstein

Im Match um Platz 3 konnte sich Wolfgang zum Winkel gegen Peter Hohlenstein durchsetzen. Gratulation auch Euch beiden!

In der Second Chance starten 20 Spielerinnen und Spieler – es brauchte insgesamt sechs Runden, um den Sieger zu bestimmen. Zur Verwunderung aller hatte es der Sieger des Beginnersturniers, Behrus Pakzad, bis ins Finale geschafft, der zuvor unter anderem Carlo Petkovsek und Rolf Schüler in die Schranken verwiesen hatte. Sein Gegner war Matthäus Vigl, der mit zwei Vorrundensiegen schon fünf Second-Chance Matches und -Siege hinter sich hatte, als er Behrus gegenübersaß. Wenn er sich gedacht hatte, dass Behrus eine leichte Beute für ihn sein würde, dann hat sich getäuscht – Behrus setzte sich bei seiner zweiten Teilnahme an unserem Monatsturnier auch im Finale durch und ist damit der erste Beginnersstarter, der die Second Chance gewonnen hat. Wer hätte vorher auf ihn gesetzt? Wohl nicht einmal Behrus selbst! Wenn das nicht das vierte Wunder dieses Turniers ist! Glückwunsch auch Euch beiden!

Finale der Second Chance: Matthäus Vigl (li), Behrus Pakzad Finale der Second Chance: Matthäus Vigl (li), Behrus Pakzad

In der Rangliste führt nun der alte Fuchs Ralf Jonas, der zum zweiten Mal in dieser Saison einen Durchmarsch gemacht hat und seinen dritten Turniersieg eingefahren hat (Wunder Nummer 5a), nach sieben Turnieren mit 83 Punkten Vorsprung (rechnet man seine Gutschrift, die erst am Ende des Saison seinem Punktekonto gutgeschrieben wird, hinzu, sind es sogar 105 Punkte) auf den Zweiten. Dabei konnte er es sich sogar leisten, ein Turnier auszulassen! Das ist Wunder Nummer 5b.

Lachen und Spielen und gute Laune: Sabine Brinkmann, Frank PetrikatLachen und Spielen und gute Laune: Sabine Brinkmann, Frank Petrikat

Den Lady’s Prize hat Sabine Brinkmann gewonnen, den Rookie’s Prize Mel Sippel.

Thorsten Miesel (li), Petru HlihorThorsten Miesel (li), Petru Hlihor

Das Satellitenturnier, das dieses Mal unter der Leitung von Thorsten Miesel stand, konnte Rolf Schüler im Finale gegen den Leiter des Satellitenturniers gewinnen.

Chouette nach dem Ausscheiden: Ufuk (li), Paul, SabineChouette nach dem Ausscheiden: Ufuk (li), Paul, Sabine

Nun folgt das Wunder Nummer 6: Das Speedgammonturnier gewann ein Spieler, der im Hauptturnier kein einziges Spiel gewinnen konnte, nämlich der Berichterstatter, im Finale gegen Igor K. So kann Backgammon sein – himmelhochjauchzend hier, zu Tode betrübt da.

Den Sieger des Beginnersturniers kennen wir schon – es ist der Sieger der Second Chance, Behrus Pakzad. Zweiter ist Detlev Appel geworden.

Das Turnier war um 0:30 Uhr beendet. Finale, Second Chance, Speedgammon, das Satellitenturnier unter neuer Leitung schon am frühen Abend: Alles ausgespielt und entschieden. Das war das letzte Wunder dieses an Wundern reichen Turniertags, nämlich Nummer 7.

War das nicht ein wundervolles Turnier?

Das nächste wunderbare Monatsturnier von Berlin Backgammon findet wie gewohnt am zweiten Aprilwochenende, also am 14. 3., um 13:00 Uhr im en passant, Schönhauser Allee 58 (U2 Eberswalder Str.), 10437 Berlin, Tel. 0177–7383899. Alle Termine stehen im Berliner Backgammon Kalender (https://berlin-backgammon.org/berliner-spieltermine/). Bis dann!

Viele Grüße
Dankwart

Finalrunde
1. Ralf Jonas
2. Frank Petrikat
3. Wolfgang zum Winkel
4. Peter Hohlenstein

Second Chance
1. Behrus Pakzad
2. Matthäus Vigl

Lady’s Prize
Sabine Brinkmann

Rookie’s Prize
Melanie Sippel

Satellit
Rolf Schüler

Speedgammon
1. Dankwart Plattner
2. Igor Kaplanski

Beginners
1. Behrus Pakzad
2. Detlev Appel

Die komplette Turnierdokumentation mit den Ergebnissen aller Matches kann Runde für Runde eingesehen werden.

Advertisements
%d Bloggern gefällt das: